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Odd Job: „Es sollte das ultimative Odd Job Album werden“ (Interview)

Odd Job veröffentlichte im Herbst 2016 sein zweites Produzentenalbum „Reset“, das Mitte Januar 2017 auch erstmals auf Vinyl erschienen ist. Im Interview mit RAP CIRCUS sprach der Beatmaker und Audio Engineer über Soundästhetik, anstehende Projekte und seine musikalische Heimat bei den Funkverteidigern.

Es ist dein zweites Produzentenalbum: Auf „Preset“ von 2013 folgt jetzt „Reset“. Oder übersetzt, auf die „Vorlage“ folgt der „Neustart“…

Odd Job: Es ist auf jeden Fall ein Wortspiel, das sich anbietet. Der Hintergrund ist eigentlich die typische HipHop-Attitüde. Damals bei „Preset“ war das Motto: Meine Presets sind besser als eure stundenlangen Versuche. Ich wollte schon immer ein Produzentenalbum machen, aber habe mich lange davor gescheut, weil es einfach viele beschissene Produzentenalben gibt. Die meisten Projekte dieser Art haben einfach keinen Album-Charakter, sondern sind einfach Compilations. Das war auf jeden Fall das letzte, was ich wollte. In „Reset“ kann man auf jeden Fall auch viel herein interpretieren: Ich resete das Game… (lacht) … es ist ein neuer Spieler im Raum, die anderen Produzenten sollten aufpassen. Das ist jetzt natürlich auf dicke Hose gemacht, aber das gehört dazu. Auf das Cover habe ich auf eine Seifenblase gesetzt, weil das auch etwas von Zerstörung hat wenn sie platzt, und daraus kann dann etwas neues entstehen.

Das ist dann auch die Symbolik mit den Reiszwecken auf der Rückseite des Covers?

Odd Job: Genau. Im Grunde genommen würde eine Seifenblase auch von alleine platzen, wenn sie den Fußboden erreicht. Da hat mich neulich jemand drauf hingewiesen, ich hätte mir die Reiszwecken also auch sparen können. (lacht) Aber nun ja. Für mich ist das Projekt auf jeden Fall auch ein Abschluss, denn ich habe jahrelang an „Reset“ gesessen. Natürlich gab es da sehr lange Unterbrechungen, aber ich habe sogar schon vor dem Vorgängeralbum daran gearbeitet. Ich wollte dieses Schiene, die auch auf „Preset“ zu hören ist, to the fullest durchziehen. Jetzt bin ich wieder frei im Kopf für andere Sachen. Ich werde keinen Trap produzieren. (lacht) Aber die Platte ist auch für mich ein Reset.

Odd Job - Cover zu Preset und Reset
Cover im Vergleich: Preset (2012, links) und Reset (2016, rechts)

Ist die Seifenblase vielleicht auch eine Art Statement für das Musikerleben, das nach außen oft idealisiert wird, aber in der Realität ganz anders aussieht?

Odd Job: Ja durchaus. So ein Album ist, vor allem wenn man es alleine umsetzt, sehr zeit- und energieaufwändig. Man muss vielen Leuten hinterher telefonieren, es geht aber auch nicht ohne, das ist völlig klar. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass der ein oder andere Weggefährte – nicht zwangsläufig aus meiner Crew, sondern allgemein – immer weniger Musik macht. Das halte ich mir selbst auch offen, und das war definitiv auch ein Grund, das Album zu machen. Es sollte das ultimative Odd Job Album werden.

Was sind die besonderen Herausforderungen eines Produzentenalbums im Vergleich zu einem herkömmlichen Album?

Viele Produzentenalben sind nur Compilations.
— Odd Job
Odd Job: Auf jeden Fall der Zusammenhang, die Kohärenz. Es muss halt alles zusammen passen, es darf keine Ausbrüche in verschiedene Richtung geben. Ich meine, ich habe auch extrem viele Facetten auf meinem Album und das wollte ich auch haben. Da muss man aber aufpassen, dass der Sound bei aller Abwechslung einen eigenen Stil behält. Ich bin der Meinung, mir ist das gelungen – aber ich sehe das als die größte Herausforderung, diesen Album-Charakter zu erhalten. Ich meinte das ja auch schon am Anfang: Viele Produzentenalben sind nur Compilations.

Du bist selbst auch als Mixing-Engineer tätig. Wie wichtig ist für dich ein eigener Sound?

Odd Job: Ein eigener Sound ist ziemlich wichtig. Bei meinem Album sogar noch wichtiger als sonst. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass mein eigenes Album schlechter abgemischt ist als Alben, die ich für andere abmische, weil ich auf meinem Projekt auch Sachen ausprobieren wollte. Ich bin zum Beispiel der Meinung, mein Album hat relativ viel Dynamik und ist relativ wenig komprimiert. Das würde ich vom Sound her bei anderen gar nicht so machen. Ich hab mir aber gedacht, die Platte ist laut genug, hat Dynamik und dadurch auch einen eigenen Klang. Das war mir bei meinem Album wichtig, dass es eigen klingt.

Was macht für dich einen guten Mix aus?

Odd Job: Es gibt schon allgemeine Parameter, die ich wichtig finde und die nicht irgend einem Stil unterworfen sind. Die Stimme muss verständlich sein und das Hauptinstrument sein. Der Beat sollte sich nicht in den Vordergrund spielen, was übrigens ein typisches Problem ist, wenn Produzenten ihre Beats selbst mischen. Das ist mir hoffentlich nicht passiert. (lacht) Die Lautstärke ist auf jeden Fall auch wichtig, aber nicht so sehr – für viele ist das Thema Lautstärke ja extrem wichtig. Ich würde lieber einen leiseren Track vorziehen, der schön klingt, als einen lauten Track, der zusammengeklatscht und radiomäßig klingt. Es gibt da aber extrem viele Facetten. MF Doom und Madlib klingen beispielsweise völlig anders als Mobb Deep.

Was ist dann der typische Odd-Job-Sound?

Odd Job: Der Odd-Job-Sound wäre wahrscheinlich eher ein drum- und basslastiger Sound. Das Sample kann ruhig etwas im Hintergrund sein.

Lass uns über deine Crew sprechen: Wie würdest du als Mann im Hintergrund die Außenwahrnehmung der Funkverteidiger beschreiben?

Odd Job: Es ist natürlich etwas schwierig, die Außenwahrnehmung zu beurteilen, weil ich uns ja trotzdem von innen heraus betrachte. Ich vermute aber, dass es genauso wie es Leute gibt, sich Straßenrap anhören und sich darauf einen Film fahren, auch Leute gibt, die sich unsere Musik anhören und sich einen Film fahren auf das Thema Musik und Freundschaft. Vielleicht ist es aber auch nur Wunschdenken. Wenn ich mir Funkverteidiger-Tracks rückblickend anhöre, dann habe ich aber eigentlich auch immer die Assoziation an gemeinsam rumhängen, gemeinsam kiffen, gemeinsam saufen, gemeinsam Tracks machen… vor allem auch, weil wir ja auch so viele Leute sind und uns auch nicht mehr so oft sehen. Das ist immer wie ein Klassentreffen, und wir nehmen uns dann immer ein paar Tage Zeit dafür. Es ist wie Urlaub. Meine Vermutung war, wenn die Funkverteidiger ein Image haben sollten, dann wäre das das Image: Leute nehmen sich Zeit für ihr Hobby und lassen das Arbeitsleben links liegen für ihre Leidenschaft. Das fände ich auf jeden Fall ein gutes Image, wenn man schon ein Image haben muss.

Mittlerweile seid ihr über das ganze Land verstreut. Wie oft gelingt es euch noch, dass ihr euch in der Form trefft?

Odd Job: In Leipzig haben Katharsis, Maulheld und ich Aufnahmemöglichkeiten. Mit Mase sehe ich mich im Moment auch relativ häufig. Solche großen Treffen sind dann tatsächlich immer an einen Zweck gebunden – also wenn es einen Videodreh gibt, eine Probe für ein großes Konzert oder ein Albumrelease im Raum steht. Wir treffen uns aber auch mal so, ohne Musik zu machen. Ich bin gerne mal in Hamburg bei Pierre, und in den meisten Fällen machen wir gar keine Musik und hängen nur rum. Viele von den Jungs, wie DJ Skala oder DJ Ronny Montecarlo, haben Kinder und wohnen auch eine Ecke weg, und da ist auch klar, dass die nicht so viel Zeit haben. Allgemein lässt das etwas nach, muss ich schon zugeben. Aber dafür ist es auch umso intensiver, wenn wir uns wieder sehen.

Ist eine neue Funkverteidiger-Platte in Planung?

Odd Job: Es steht tatsächlich im Raum. Wenn es nach mir geht, würde ich da ziemlich konzeptmäßig ran gehen. Es kann aber durchaus passieren, dass wir uns einfach wieder treffen und drauflos musizieren. Ich denke, die Wahrscheinlichkeit ist größer, dass wir uns diesmal ein Konzept überlegen und dann durchziehen. Es ist sehr realistisch, dass ein neues Funkverteidiger-Album kommt. Man darf dabei auf die Besetzung gespannt sein. (grinst)

Tut euch als Crew die DHF in Leipzig gut?

Odd Job: Es ist auf jeden Fall schön einen Ort zu haben, wo man sich in einer großen Gruppe treffen kann. Es ist natürlich cool in der DHF, auch mit dem Freisitz. Und wir können dort auch für anstehende Sachen Proben. Ich erinnere mich zum Beispiel, dass die Muther Manufak’Tour hier in Leipzig gestartet ist und die Rapper auch tagsüber in der DHF noch einmal in Ruhe geprobt haben. Das ist Luxus, denn das kann man natürlich nicht überall machen. Ansonsten ist es halt ein cooler Club, der von der Größer her genau richtig ist für den HipHop, den wir machen. Die nächsten Funkverteidiger-Partys in Leipzig werden auf jeden Fall in der DHF stattfinden, so viel ist klar. Und für mich als Soundmann in der DHF ist es auch praktisch, weil ich mit Rappern connecten kann. Die Enemies, die auch auf meiner Platte sind, habe ich beispielsweise so kennengelernt.

Wie hast du den Weg der DHF seit ihrer Neueröffnung Anfang 2016 erlebt?

Odd Job: Fast durchweg positiv. Die Partys waren gut, es gab eigentlich nie Beschwerden. Im Gegenteil, die meisten Leute haben sich gefreut und sich sogar bedankt. Es gab tatsächlich erstaunlich wenig Probleme bis jetzt. Die können natürlich noch kommen, weil es noch viel zu erledigen gibt, aber wir hoffen das beste. Ich bin selbst erstaunt, dass wir jetzt schon so viele Konzerte gemacht haben und dabei auch keinen Reinfall erlebt haben. Von der Größe und Atmosphäre her ist es einfach ein Club, wie ich ihn mir vorstelle. Die Musik steht im Vordergrund und die Leute fühlen sich wohl. Ich bin zufrieden.

Auf deiner Platte sind auch Musiker vertreten, um die es in den letzten Jahren ruhiger geworden war. Wird von Leuten wie Lun und Desert.D wieder neue Musik kommen?

Odd Job: Ich arbeite mit den Jungs an neuen Sachen. Desert.D , der jetzt übrigens dessVeta heißt, hat glaube ich sogar schon ein komplettes Mixtape aufgenommen. Lun arbeitet schon lange an seinem Album, das ich auch mischen werde. Die Beats kommen aber nicht nur von mir, es sind auch andere Produzenten drauf. Das Album ist ungefähr zur Hälfte fertig und soll „Appetit auf Zerstörung“ heißen. Bis es kommt, kann es aber noch eine Weile dauern.

Was hatte es mit dem „Moderapper“-Track auf sich, den du und Maulheld neulich veröffentlicht habt?

Odd Job: Da habe ich mir tatsächlich ein bisschen den Ärger von Maulheld eingehandelt. Der Track ist schon ziemlich alt und auch inhaltlich schon etwas angestaubt. Es spiegelt halt nicht die aktuelle Sicht oder die aktuelle Szene wieder. Maulheld wollte nicht, dass er auf das Album kommt, aber war dann down damit, dass ich ihn einfach so veröffentliche. (Anm. d. Redaktion: Inzwischen ist der „Moderapper“-Track wieder offline.)

Bei Maulheld wartet man ja auch schon länger auf ein Solo-Release. Hast du dort einen Einblick?

Odd Job: Er hat ein fast fertig aufgenommenes Album am Start. Ich hoffe, ich verrate jetzt nicht zu viel, aber Maulheld plant, zuerst eine EP oder Mini-LP mit DJ D-Fekt zu machen. Dann kommt der „Ninja“ – so der Arbeitstitel vom Album. Es ist fast komplett fertig und auf jeden Fall mega gut. Es ist einfach komplett anderes. Maulheld hat das Projekt komplett selbst produziert, es hat damit eine sehr eigene Handschrift und ist eine mega runde Sache. Ich hoffe, dass er es bald raus bringt.

Das Album „Reset“ von Odd Job ist seit September 2016 auf Bandcamp und als Tape im Direktvertrieb erhältlich. Seit Mitte Januar 2017 ist das Album auch als Vinyl bei HHV zu bekommen. In der Rubrik INSIDE TRACKS spricht Odd Job außerdem ausführlich über die Geschichte hinter seinem Album.

Cover & Tracklist zu "Reset"

Cover von "Reset"
Cover von „Reset“


Tracklist

  1. Kingz (feat. Pierre Sonality)
  2. Reset (feat. Maulheld, DJ Lukutz & Mase)
  3. Glashütte (feat. Desert.D)
  4. Beastmode (feat. Lun)
  5. Interlude I
  6. Defizit (feat. Galv & Maulheld)
  7. Sipp Sipp (feat. Pierre Sonality, Maulheld, Mase & Katharsis)
  8. A Father’s Dream (feat. Katharsis & Exodus)
  9. König für 1 Tag (feat. Lars vom Dorf, Exodus & Maulheld)
  10. Primus (feat. O-Flow & DJ Lukutz)
  11. Odd Afternoon (feat. Pierre Sonality & AzudemSK)
  12. Für die Hater (feat. Enemies)
  13. Interlude II
  14. Idiokratie (feat. Lun & Whzky Frngs)
  15. Flee Hops (feat. Mase, TheFinn & Lun)
  16. Word is Bond (feat. Maulheld)
  17. Antikarma (feat. Desert.D & Mase)
  18. Interlude III (feat. Neo Kaliske)
  19. IRA (feat. Sonne Ra)
  20. Kolibri (feat. Pierre Sonality)

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