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Phaeb im Interview: Fotoausstellung „Gravitation“

Schallplattencover verleihen Musik ein Gesicht – ihre Gestaltung ist ein unverzichtbarer Bestandteil von Musikveröffentlichungen. Als Teil des Duos dude&phaeb veröffentlicht Fabian Ng’uni aka phaeb seit Jahren als Rapper Musik. Noch länger ist er aber als Fotograf unterwegs, und so fanden sich in den vergangenen Jahren zahlreiche seiner Fotografien auf den Vorderseiten von HipHop-Alben wieder. Mit seinen meditativen Motiven gab phaeb diversen Releases aus dem Umfeld des Labels Daily Concept ein Gesicht. Eine Auswahl seiner Coverfotografien wird aktuell in der Ausstellung „Gravitation“ gezeigt, die bis zum 18. März 2017 großformatige Drucke im Leipziger Plattenladen Vary präsentiert. Im Interview sprachen wir mit phaeb anlässlich der Ausstellung über seine Arbeit als Fotograf, analoge und digitale Fotografie sowie über neue Musik von dude&phaeb.

Ist „Gravitation“ deine erste Ausstellung dieser Größenordnung?

phaeb: In diesem Rahmen prinzipiell schon. Ich habe in Leipzig schon einmal eine Ausstellung gemacht, vor drei Jahren im Handstand und Moral. Da habe ich ganz klassisch Schwarzweiß-Fotos gezeigt. Das war schön, denn ich mag das Handstand und Moral sehr gerne und wir hatten dort damals auch die erste Veranstaltung unserer Looprausch-Reihe gemacht. Jetzt im Vary ist es meine zweite Ausstellung hier in Leipzig.

Hattest du auch schon vorher Ausstellungen?

phaeb: Ich habe mich während meines Studiums viel mit Fotografie beschäftigt und war da auch schon Teil von Gruppenausstellungen. Angefangen habe ich mit der Fotografie zwischen 2006 und 2007. Da war ich für ein Jahr in Griechenland mit dem Erasmus-Programm, um dort zu studieren. Dort ging dann aber eigentlich nicht viel, weil die Uni die ganze Zeit besetzt war: Schon damals hat sich die wirtschaftliche Entwicklung abgezeichnet, die viele Kürzungen im Bildungsbereich mit sich gebracht hat. Es gab fast jeden zweite Tag Demonstrationen und große Besetzungen der Universität. Die einzige Abteilung, die dann noch auf hatte, war das Foto Department. Ich habe mir das eigentlich gar nicht so zugetraut, mit der Kamera und der Situation mit meinem Arm – denn es ist schon tricky, die ganzen Dinge mit einer Hand zu bedienen, vor allem in der analogen Fotografie. Meine damalige Mitbewohnerin Sarah hat mir einfach ihre Kamera in die Hand gedrückt und meinte: „Geh mal los!“ Seitdem bin ich damit infiziert und beschäftige mich viel damit.

26 Sonnen - dude26 - Phaeb - Gravitation
Die Coverfotos zu „26 Sonnen“ von dude26 (links: Album; rechts: Instrumental-LP)

Als ich dann zurück in Hildesheim war, wo ich damals wohnte, habe ich viele Seminare besucht und mich auch ein bisschen akademisch damit beschäftigt. Ich denke, die Ausstellung hier tritt zum ersten Mal aus diesem akademischen Kontext heraus – denn die Bilder sind einfach schön und man braucht nicht meterweise Bücher gelesen haben, um sie zu verstehen. Die Bilder öffnen sich dem Betrachter oder der Betrachterin ganz einfach so.

Du sagst die Bilder sind schön – wonach suchst du deine Motive aus, und vor allem auch die, die du im Vary ausstellst?

phaeb: Das läuft ganz unterschiedlich. Die Bilder hier in der Ausstellung kommen ja größtenteils von Plattencovern. Bei den Covern gibt es zwei Herangehensweisen: Entweder es gibt einen Titel und eine konkrete Bildidee, dann gehe ich mit der Kamera los und versuche es umzusetzen. So war es zum Beispiel bei dem „Brother Brother“ Motiv von der Platte von Django, die in der EXPEDITion-Reihe erschienen ist. Er hat halt gesagt, er will Fische und „Brother Brother“ ist der Titel. Dann war der Auftrag schon klar und ich bin losgegangen. Eine andere Sache war es bei dem „Monokultur“-Cover, da haben dude26 und ich lange nach dem Motiv gesucht und wussten auch noch nicht so richtig, wie unsere Musik aussehen soll. Ich habe bergeweise Analogfotos in Kisten dagehabt, mit dude dagesessen und die einfach durchgeschaut. Damit hat es dann auch für uns angefangen, das wir großformatig Fotos auf den Plattencovers zeigen.

Phaeb - Graviation - Vary
Zwei Cover, zwei Herangehensweisen: „Brother Brother“ (links) und „Monokultur“ (rechts)

Fotografierst du ausschließlich analog?

phaeb: Es ist nicht unumstößlich, dass ich sage, ich arbeite ausschließlich analog. Ich habe seit ein paar Monaten auch ein Smartphone und fotografiere damit Tagebuch-mäßig, was cool ist, weil ich es immer dabei habe. Wenn es jetzt heißt, das Foto soll ein Plattencover werden, dann arbeite ich schon gern im analogen Mittelformat, weil die Bilder einfach eine große Auflösung haben. Du siehst das auch hier in der Ausstellung: Selbst wenn die Bilder groß aufgezogen sind, gibt es keine sichtbaren Pixel oder sowas. Das Bild ist eher mal ein bisschen Körnig oder griffig, wenn ich einen lichtempfindlicheren Film genommen habe für Situationen, wo es dunkler war. Das mag ich einfach. Die Technik ist eine Mischform aus analog und digital: Ich fotografiere analog auf Film, aber gehe danach sozusagen in den digitalen Darkroom und bearbeite die Fotos noch in Photoshop.

Was ist deine Lieblingsfotografie in der aktuellen Ausstellung?

phaeb: Das zentrale Motiv ist auf jeden Fall „Gravitation“, das auch unser drittes Album von dude&phaeb vorstellt. Wenn alles klappt, kommt die Platte am 26. Juni 2017 raus. Das Bild ist noch relativ neu, es ist im Dezember 2016 auf dem Augustusplatz entstanden und ich mag es natürlich sehr gern. Aber irgendwie hänge ich an allen Motiven. Auch das „Daydream Nightwalk“ ist wirklich wunderschön im Druck geworden, auch wenn es ein kleineres Format ist. „Brother Brother“ war wirklich ein Glückstreffer. Stell dir das so vor: Auf einem Mittelformatfilm hast du zwölf Bilder – und das Covermotiv war eins dieser zwölf Bildern. Es ist auch nicht beschnitten an den Rändern, sondern der Fisch ist wirklich mittendrin. Das war in einem Aquarium im Leipziger Zoo, und du kannst dir ja sicherlich vorstellen, dass die Fische sich natürlich normalerweise auch bewegen. Das mag ich an Fotografie: Sie spielt dem Fotografen ein bisschen in die Tasche, und manchmal kann man den Zufall mitnehmen und dankbar oder erstaunt in Empfang nehmen.

Gravitation - dude&phaeb
Cover zu „Gravitation“ von dude&phaeb

Wie viele Fotos nimmst du generell auf, bis du die Motive nach deinem Geschmack passend eingefangen hast?

phaeb: Ich bin kein Digitalverweigerer. Wenn ich digital fotografiere, sind es wirklich viele Bilder. Unter 150 Bildern sind dann fünf gute Motive dabei. Wenn ich gezielt losgehe und analog mit Mittelformat arbeite, dann mache ich mir vorher viel mehr Gedanken über jedes einzelne Bild, das natürlich auch teuerer ist. Ich mache dann zwölf Bilder und drei oder vier davon sind gut. Ich mach das jetzt seit zehn Jahren – also kannst du dir vorstellen, dass einfach kistenweise Bilder und Negative rumliegen. Wenn man auf der Suche nach einem Cover ist, muss man gar nicht zwangsweise immer losgehen, sondern ich kann die Leute auch gerne mal in meinen visuellen Crates Bilder aussuchen lassen.

Die Fotoausstellung „Gravitation“ von Fabian Ng’uni aka phaeb ist bis zum 18. März 2017 im Plattenladen Vary (Eisenbahnstraße 7, 04315 Leipzig) zu sehen.

Die ausgestellten Fotografien im Großformat können über den Webshop von Daily Concept bestaunt und käuflich erworben werden.

phaeb - Gravitation
Bild: phaeb (Fotografie von Gino Bambino)

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