FeaturesInside TracksNews

INSIDE TRACKS #11: Hiob & Pierre Sonality über „Die Zampanos“

Die Rubrik INSIDE TRACKS erzählt Entstehungsgeschichten und Hintergründe von Musik. In Episode #11 sprechen Hiob und Pierre Sonality über ihr gemeinsames Album „Die Zampanos“.

Intro

Hiob: Ich habe einen Plattenspieler und sammle Platten, aber kann null scratchen.

Pierre Sonality: Als erstes sollte man festhalten, dass die Scratches von Hiob sind.

Hiob: Nee, nur einer. Die anderen Scratches sind tatsächlich gesampelt. (lacht) Und zwar sind die von einer holländischen Scratch-Lern-Platte, von der man auch den Moderator hört. Einen Scratch hab ich auch selbst gemacht, aber ich habe keinen Fader, um das Signal zu unterbrechen. Wenn ich scratche, muss ich also Vor- und Rückbewegungen machen.

Pierre: (unterbricht) So macht man für gewöhnlich Scratches, mit Vor- und Rückbewegungen…

Hiob: Ja richtig, aber natürlich hast du sonst auch einen Fader. Das Intro ist natürlich Trash – aber auch so gemeint.

Pierre: Als ich das Intro das erste mal gehört habe, hab ich grad einen Riegel gegessen. Dann hab ich den Riegel lieber weg gelegt. Hiob hat mir das Intro halt geschickt und ich hab mich kaputt gelacht, weil es der größte Müll ist, den ich jemals von Hiob gehört habe.

Hiob: Der Main-Loop im Intro ist eine kanadische Library-Platte, um das nochmal festzuhalten. Oder war es eine schwedische Platte? Ich weiß es nicht mehr genau.

Gläser Hoch

Pierre: Die Hook ist erst entstanden, nachdem wir den Rest des Songs aufgenommen hatten. Sie ist eine der wenigen Sachen, die nicht im gleichen Raum entstanden ist, sondern die wir uns nachträglich zugeschickt haben. Aber als ich die Hook gehört habe, hab ich echt abgefeiert.

Hiob: Das war ein schöner Tag, als die Hook bei mir durch den Raum flog. Ich mag die Hook auch sehr.

Pierre: Super, denn für meinen Geschmack es ist die beste Hook, die du jemals gemacht hast. Hiob macht ja viele Hooks, die gerappt sind, aber der Gesang hat mich echt positiv überrascht.

Hiob: Ansonsten ist es natürlich ein klassischer Zampanos-Song: Es geht um Trinken, es geht um Vergänglichkeit, es geht um Sterben, um Leben.

Pierre: Der Song trifft unser Schaffen im Kern: Es ist pathetische Säufer-Melancholie…

Hiob: … oder vielmehr eine Art Trinkrede.

Mofagang

Hiob: „Mofagang“ sollte eigentlich von Anfang an eine Videoauskopplung werden. Die Initialzündung war ein Track von einer Hamburger Punk-Band, den uns Falk Schacht zugespielt hatte. Die nannten sich „Hells Horners“ und haben Anfang der 80er Jahre einen Rap-Track gemacht. Der lässt sich gut auf den Punkt bringen: Skinheads mischen Punkers auf, Punkers mischen Poppers auf – und wir sind die „Hells Horners“ und prügeln uns mit allen rum. Das war das Konzept für unsere „Mofagang“, das wir dann als Track aufgenommen haben. Zufällig kam dann ein Video von Karate Andi raus, den ich auch persönlich kenne und schätze, das uns die Idee aber etwas vorweg genommen hat. Das war aus unserer Sicht natürlich ärgerlich.

Pierre: Eigentlich wollten wir uns tatsächlich Mofas dafür besorgen, und dann vor dem Greenscreen durch eine 80er-Jahre-Stadt fahren. So wie die Mods damals, so eine Mofa-Bewegung in den 80ern, und sowas wollten wir auch im Video machen. Aber das wäre zu deckungsgleich gewesen für ein Video. „Mofagang“ ist ein Machwerk, das einfach jeder hören sollte, der motorisierte Bewegung feiert.

Hiob: Man muss auf jeden Fall auch Holsten zu dem Track trinken.

Ein Tag

Hiob: Dazu haben wir auch ein Video abgedreht.

Pierre: Es ist unser zweites Video zur Platte. Für mich persönlich ist es einer der stärksten Songs auf dem Projekt, gerade weil er vom Beat komplett ausbricht und nicht das erfüllt, was man typischerweise erwarten würde wenn man hört, dass Hiob und Pierre ein Album machen.

Hiob: Das ist halt der megalomanische, 80er-Jahre Kokain-Scheiß. Das ist dieses: „Meine Haare sind schon…“ (überlegt)

Pierre: …sind schon nach Hause gegangen. Nach dem Motto: „Ich mache so doll, meine Haare sind schon nach Hause gegangen.“ (Gelächter)

Über uns (feat. Sonne Ra)

Hiob: Unser erster Videotrack. Wir hatten ein sehr schönes Wochenende in einem Kleingarten in Neukölln an der grade fertig gebauten A100…

Pierre: Das Wochenende war schon voller harter Gönnung, was man in dem Video glücklicherweise gar nicht so sieht.

Hiob: Man muss dazu sagen, man sieht in dem Video nur einen Bruchteil, denn es gab über 48 Stunden Material. Das Wochenende wurde komplett dokumentiert wurde. Benutzbar waren dann davon aber effektiv 45 Minuten.

Pierre: Großer Dank an dieser Stelle natürlich an Sonne Ra für die großartige Hook. Da hat er wahnsinnig abgeliefert!

Die Sonne

Pierre: In der Produktion ist das eigentlich der Baustellen-Track gewesen…

Hiob: Es ist im Endeffekt eine Liebeserklärung an den Track „Ein Tag so schön wie Heute“ von Dike D, den wir auf jeden Fall früher gefeiert haben.

Pierre: Das ist von seinem Album „Pottpüree“ aus den späten 90ern.

Hiob: Damals ist das tatsächlich ein wichtiges Release gewesen, er war ein guter Rapper zu dieser Zeit. In unserer Originalversion wollten wir seine Hook als Cut benutzen, aber das Problem war, dass die Spuren der Cuts zusammen mit unseren Spuren zu viele Soundebenen ergeben hätten. Es hat einfach nicht funktioniert. Deswegen haben wir die Sache letztendlich selber eingerappt. Viele Grüße an dieser Stelle an Dike D, wenn er das ließt!

Ronny

Pierre: Wir chillten auf der Ledercouch nach einer Woche erfolglosem Musik machen. In dieser ersten Session zum Album haben wir drei oder vier Songs gemacht, von denen wir zum Ende wirklich nur „Ronny“ behalten haben. Was wir bis dahin gemacht hatten, war einfach noch nichts halbes und nichts ganzes. Wir haben uns einfach ordentlich die Kante gegeben und nachts Fernsehen gekuckt – da lief diese Dauerwerbesendung, wo so ein Typ versucht hat, die Gold-Box vom Schlagerstar Ronny zu verkaufen. Die ging 20 Minuten, übel hart! Wir lagen auf dem Boden vor Lachen und hatten wirklich Bauchschmerzen vom Gelächter…

Hiob: Wir waren aber auch ganz schön durch.

Pierre: In der Situation haben wir gemerkt: Ok Alter, darüber müssen wir einen Song machen.

Hiob: Am Anfang war Pierre auch nicht so richtig überzeugt davon…

Pierre: Stimmt, am Anfang war ich nicht so überzeugt. Als ich dann down damit war, war Hiob nicht mehr down damit. Aber als wir ihn in der dritten Session nochmal gehört haben, haben wir uns so weggeschmissen, dass wir gesagt haben wir müssen den nehmen.

Hiob: Es ist der einzige Track, der aus der ersten Session überlebt hat. Da kann man sich wirklich vorstellen, wie der Humorlevel bei den restlichen Tracks war.

Pierre: Da liegen wirklich noch ein paar Sound-Leichen der Zampanos bei mir auf dem Rechner. Die Tracks hätte keiner kapiert.

Hiob: Es war halt einfach zu verballerter Scheiß. Der „Ronny“-Track war das erste, was irgendwie Sinn gemacht hat und greifbar wurde. Der Rest war halt so: Wir fliegen auf unserem pinken Pelikan…

Pierre: … und dann kommt der Magma-Krakenmann…

Hiob: Wir waren richtig weg. Man muss dazu sagen: Eigentlich haben wir das Konzept verworfen. Die Platte ist im Endeffekt das Resultat eines Scheiterns – denn die Originalidee war tatsächlich, sich in einen total weggeballerten Zustand zu bringen, und daraufhin Musik zu machen. Und es hat nicht funktioniert.

Nach Hause (feat. Morlockk Dilemma)

Hiob: Der Track fasst diese Unlust aufs Game zusammen. Im Sprachsample am Ende spricht der Monarch – ein Typ, der in den 70ern ein System hatte, um Spielautomaten vom Typ „Monarch“ zu knacken. Er hatte in allen Städten Leute, die herausgefunden haben, wo diese Spielautomaten stehen. Im Endeffekt ist er von Kneipe zu Kneipe gezogen und wollte nur dieses System durchziehen, um mehr Geld zu generieren. Dabei gab es halt diese ganzen Begleiterscheinungen: Er musste saufen, er musste Sol-Eier essen und so weiter. Am Ende bringt er es gut auf den Punkt: Jeder, der in die Fabrik geht, findet seinen Job scheiße. Und auch jeder Rapper findet seinen Job scheiße. Eigentlich kann man es mit einer Zeile zusammenfassen: Aus Liebe zum Spiel wäre eine Lüge.

Die Mini-LP „Die Zampanos“ von Hiob und Pierre Sonality wurde von Hieronymuz produziert und ist über Mofo Airlines erschienen. Erhältlich ist das Release als CD und Vinyl auf der Website von Kapitalismus-Jetz.de sowie bei HHV und Vinyldigital. Digital ist das Album bei iTunes und Amazon verfügbar.

>>> ZUM AUSFÜHRLICHEN INTERVIEW MIT DEN ZAMPANOS <<<

Die Zampanos - Hiob - Pierre Sonality
Bild: Jim Gramming
Cover & Tracklist zu "Die Zampanos"

Hiob - Pierre Sonality - Die Zampanos
Cover zu „Die Zampanos“


Tracklist

  1. Intro
  2. Gläser Hoch
  3. Mofagang
  4. Ein Tag
  5. Über Uns (feat. Sonne Ra)
  6. Die Sonne
  7. Ronny
  8. Nach Hause (feat. Morlockk Dilemma)

Pierre Sonality bei Facebook

Vorheriger Artikel

Gewinnspiel: Weside Files #10 w/ Die Zampanos & Shacke One

Nächster Artikel

Hiob & Pierre Sonality: Die Zampanos im Interview