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DHF: Leipzig hat einen neuen HipHop-Hotspot (Porträt)

Es brodelt im Leipziger Untergrund. Doch nicht nur bei den Rap-Artists, wo sich in den letzten Jahren eine extrem hohe Bandbreite an neuen, hoffnungsvollen Talenten offenbart hat, bewegt sich etwas – sondern auch im Event-Sektor. Seit Anfang des Jahres gibt es im Leipziger Westen einen neuen Hotspot für Rap-Veranstaltungen, der mit Untergrund-Charme im ehemaligen Industriegebiet von Plagwitz liegt. Die Alte Damenhandschuhfabrik (kurz DHF) ist in kürzester Zeit zu einer Instanz für Untergrund-Rap in Leipzig geworden und fängt offenbar gerade erst an, ihr Potential zu entfalten.

„Langfristig soll die DHF Ostdeutschlands HipHop-Club Nummer Eins werden.“ So definiert Zet, der seit Anfang 2016 als neuer Betreiber der Alten Damenhandschuhfabrik die Zügel der Location in der Hand hält, die Zielstellung. Das Potential und die Verbindungen dazu sind vorhanden, gibt sich der Anfang-30-Jährige aus dem Umfeld der Funkverteidiger ambitioniert. Dass es zum Erreichen des angepeilten Status einige Jahre dauern wird, darüber ist sich Zet im klaren. Mit der Neueröffnung des Clubs Anfang des Jahres sei lediglich der erste Schritt gegangen.

In den vergangenen zehn Jahren war die DHF als Techno- und Elektro-Club bekannt, bevor die Schlagzahl der Veranstaltungen 2015 zurückgefahren wurde. Der Inhaber der Lokalität suchte sich gegen Ende des Jahres schließlich einen neuen Betreiber, der das Potential des Clubs mit einem frischen Konzept neu auszuschöpfen weiß.

DHF - Pierre Sonality - Katharsis
Pierre Sonality & Katharsis Anfang 2016 in der DHF

Inzwischen gab es seit Anfang 2016 bereits zahlreiche Highlights in der DHF zu erleben. Angefangen von den monatlichen Weside Files Jams (bei denen bereits Musiker wie AzudemSK, Doz 9, Gossenboss mit Zett, Freshface, Maulheld und Mase auftraten, lokale Künstler wie Stylus MC, Aglie 827 oder Siriuz & Hektik spielten sowie Überraschungsgäste wie Galv, Pierre Sonality oder die BAF-Crew aufschlugen), über Partys wie ONFLEX mit der Rapperin Haiyti, bis zu Konzerten wie dem Tourfinale der 5 Jahre Sichtexot Tour. Die Endlezz Disco setzt außerdem als monatliche Disco-Veranstaltung für Untergrund-Rap mit kostenlosem Eintritt einen kulturellen Kontrapunkt zur Mainstream-Beschallung in der Innenstadt.

In der DHF selbst hat sich mit dem neuen Betreiber bereits einiges getan – die Reduzierung der Räumlichkeiten auf einen Floor mit Bühne und Bar, plus eine zusätzliche Chillout-Area, sollen jedoch nur den Anfang markieren. Das gesamte Gelände der Alten Damenhandschuhfabrik ist insgesamt doppelt so groß, wie die bisher genutzte Fläche. Ab dem kommenden Sommer soll auch die Freifläche für Veranstaltungen nutzbar werden, um so auch größere Jams und Festivals zu ermöglichen. Bisher bietet der Außenbereich Hinterhof-Flavour mit ein paar Sitzmöglichkeiten und einem stilecht brennendes Fass. Die Zukunft soll mehr Abwechslung bringen: Ein Biergarten ist genauso Teil der Planung wie eine Leinwand für Open-Air-Kino und eine Outdoor-Bühne. Zusätzlich soll das ganze Gelände der DHF für Graffiti-Künstler zur Wall of Fame werden. „Wir wollen aus der DHF einen subkultureller Raum für Graffiti, HipHop, Rap & Reggae machen“, erklärt Zet die Ausbaupläne.

Veranstalter mit Party-Ideen, Träumen und Visionen seien dabei jederzeit willkommen: „Gern machen wir hier ganz viel möglich“, gibt sich der Betreiber bewusst offen. Zet selbst ist als Veranstalter vor fast 15 Jahren ebenfalls mit Träumen und Visionen gestartet. „Als 8 Mile rausgekommen ist, haben mich die Freestyle-Battles in dem Film tatsächlich so fasziniert, dass ich gesagt hab: Sowas müssen wir in Leipzig auch machen“, erinnert er sich. Mit dem „Battle Rebell“ schaffte er damals eine Cypher, die dem heutigem Open Mic am Dienstag (OMAD) aus Leipzig ähnelt. Nach zahlreichen Jams erarbeitet er sich über die Jahre bei den Künstlern den Respekt eines verlässlicher Veranstalters. „Der Künstler muss immer glücklich nach Hause gehen“, so sein Credo. Trotzdem hängte er seine Veranstalter-Rolle zwischenzeitlich an den Nagel und führte bis Ende 2015 die Lola-Bar im Westen Leipzigs. Als das Angebot für die Leitung der DHF kam, konnte er dann einfach nicht ablehnen: „Ich habe das Potential der DHF gesehen und gedacht, es ist eine dieser Chancen im Leben, die man definitiv ergreifen sollte.“

DHF - Leipzig - 2016
Eingangsbereich der DHF (Bild: Rap Circus)

Als Veranstalter und Betreiber der DHF hat jedoch nicht nur der Umgang mit den Künstlern Priorität für Zet, sondern auch der gegenseitige Respekt zu anderen Veranstaltern der Stadt. Nur wenn man seine Events mit einem gesunden Maß an Rücksicht auf andere Events plant, könne eine Stadt in der Größenordnung von Leipzig funktionieren, so seine Überzeugung. Das Potential an Gästen sei hier nicht unerschöpflich, wie es das beispielsweise in Berlin ist. Mit einem langen Atem, einem guten Booking und einem Ausbau der Lokalitäten hat die Alte Damenhandschuhfabrik damit begonnen, Leipzig um einen neuen HipHop-Hotspot zu bereichern. „In Leipzig geht HipHop-mäßig was – und das wird, denke ich, immer so bleiben“, schätzt Zet voller Optimismus die Situation in der Stadt ein.

Die nächsten Highlights in der DHF sind die Weside Files #6 mit dem Tourauftakt der ersten Muther Manufak’Tour (am 6.5.2016) und das Konzert von Sylabil Spill (am 13.5.2016) mit Beppo S. & Peter B. und Stylus & Kritikal27, das von Endlezz Disco, OMAD und RAP CIRCUS präsentiert wird.

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