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KONTROVERS: Rasputin vs. Leipzig?

Ursprünglich sollte an dieser Stelle ein Interview mit Rasputin zu seinem neuen Album „Diamanten & Dreck“ (VÖ 1. Mai) erscheinen. Seit über 20 Jahren ist der gebürtige Bielefelder inzwischen als Rapper aktiv und gilt als Freestyle-Ass. Vor fünf Jahren zog es Rasputin nach Leipzig. Seitdem erlebte man ihn bei zahlreichen Gelegenheiten als MC in Cyphers und auch bei Auftritten. Es scheint, als wäre er in Leipzig angekommen.

„Die Szene gönnt sich gegenseitig nicht den Dreck unter den Fingernägeln“. Mit dieser Überschrift veröffentlichte das Stadtmagazin Urbanite angesichts des anstehenden Albums in seiner Aprilausgabe ein Interview mit Rasputin MC, aufgemacht wie eine Abrechnung mit der Leipziger HipHop-Szene. Die Kritik des Rappers: Es gebe nur Oberflächlichkeit und kein Miteinander in der lokalen Szene, weil jeder Angst habe, etwas von seinem eigenen Fame zu verlieren.

„Es wird dir ins Gesicht gegrinst und einen auf Familie gemacht und schlussendlich wird nichts geteilt“, wettert der Rapper weiter. Nichts Teilen ist auch ein gutes Stichwort für Rasputin, dem in Leipzig mittlerweile nachgesagt wird, dass er Produzenten und Studiobesitzer auf Produktionskosten sitzen lässt. Das steht zwar auf einem anderen Blatt – unter anderem auf dem von Synthikat -, sei aber in diesem Zusammenhang der Vollständigkeit wegen erwähnt.

Rasputins Kritik an der Leipziger Szene mag bis hierher mit guten Absichten noch streckenweise nachvollziehbar sein. Spätestens mit der Neu-Veröffentlichung des besagten Interviews auf der Website seines Labels in der sogenannten „Uncut“-Version wird jedoch klar, dass der 39-jähriger Vater zweier Kinder eine überraschend pubertär anmutende Hater-Agenda fährt. Diese „Uncut“-Version enthält lediglich einen kleinen Absatz mehr, der für die Schlussredaktion von Urbanite offenbar zu herb war und deshalb seinen Weg ins Heft nicht fand. Rasputin schrieb dazu auf Facebook, Interviews würden manchmal „an den wichtigen Stellen gekürzt“. Der neue Absatz im „Uncut“-Interview lautet: „Ich meine, schau dir mal den „HipHop-Award Skillz“ an – ein selbsternannter HipHop Preis. Wenn man schaut, wer da die Zügel in der Hand hat, schiebt der eine den anderen das Zeug in den Arsch.“

Harte Worte. Trotzdem wollten Rasputin und sein Management die Aussage veröffentlicht haben, denn sonst hätte es für diese zwei Sätze kein „Uncut“-Interview gebraucht. Denkt man drüber nach, verstrickt sich Rasputin hier aber selbst in Widersprüchen. Wie kann man sich gegenseitig nicht den Dreck unter den Fingernägeln gönnen, aber anderen Zeug in den Hintern schieben? Die Zügel von Skillz lagen seit der Gründung des Awards durchweg in den Händen von drei sehr unterschiedlichen Personen aus unterschiedlichen Kreisen. Für ein Meinungs-Gleichgewicht auf Organisatoren-Seite war somit jederzeit gesorgt. Würde man sich als Kritiker mit dem Thema ordentlich auseinandersetzen, dann hätte man natürlich auch keinen Grund, sich undifferenziert und infantil zum Thema zu äußern. Und dann hätte sich wahrscheinlich auch nicht Rasputins Manager an Skillz wenden müssen, um zu fragen, warum Rasputin nicht im Voting zum Künstler des Jahres dabei sei. Im Zweifelsfall wäre man schlussendlich am 8. April einfach zur Untergrund-Gala von Skillz gekommen, um sich selbst ein Bild vom Geschehen zu machen und zu wissen, wovon man spricht. So wie es 95% der Leipziger Szene auch gemacht haben – obwohl sie sich Rasputin zufolge gegenseitig nichts gönnen.

Dass der Skillz Award von Rasputin als „selbsternannter HipHop Preis“ kritisiert wird, ist genau so widersprüchlich. Skillz ist eine subkulturelle Initiative von HipHop-Heads für HipHop-Heads, komplett Do-It-Yourself organisiert und damit genau auf dem Punk-Film des HipHop-Ursprungs der 70er und 80er Jahre. Wer im Pressetext zu seinem neuen Album potentielle Hörer mit den Worten verschreckt, „Wer nicht auf den guten, alten Oldschool- Sound ohne Firlefanz der frühen 90er steht, sollte ‚Diamanten und Dreck‘ besser links liegen lassen“, sollte doch gerade diesen Ansatz zu schätzen wissen. Aber vielleicht wird hier von Rasputin ja auch mit zweierlei Maß gemessen.

In der Summe ist Rasputins Kritik an Skillz haltlos und berechnend-provokant. Seine Kritik an der Leipziger Szene ist zumindest zweifelhaft. Ist die Maske des Kritikers damit gefallen und der Hater entblößt? Und wie ist eure Meinung zum Thema? Lasst uns ein Kommentar hier oder unter unserem Facebook-Post da.

Dieser Artikel ist Teil der Rubrik KONTROVERS, bei der polarisierende (Musik-) Themen aus Leipzig im passenden Rahmen Platz finden und zur Diskussion anregen sollen.

UPADTE (30.4.2016, 23:46 Uhr): Rasputin hat sich mit einem ausführlichen Facebook-Post zum Thema geäußert. Den Text findet ihr an dieser Stelle auf seiner Facebook-Seite.

Rasputin MC bei Facebook

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