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Interview: Rückblick auf ein Jahr „Open Mic am Dienstag“ (OMAD)

„Open Mic am Dienstag“ (kurz OMAD) ist ein kultureller Geheimtipp in Leipzig. Vor knapp einem Jahr begann die wöchentliche Rap Cypher im Untergrund der Messestadt. Seitdem hat sich die Veranstaltung nicht nur zu einem Treffpunkt der lokalen HipHop Szene entwickelt, sondern zieht auch jede Woche Neugierige in seinen Bann. Im Gespräch mit OMAD-Initiator Ricky schauen wir auf das ereignisreiche erste Jahr von „Open Mic am Dienstag“ zurück und sprechen über anstehende Veränderungen für 2016.

Vor knapp einem Jahr ist OMAD gestartet. Wie ist dein Fazit nach dem ersten Jahr?

Ricky: Des Resümee ist gut. Leipzig schreit nach einer wöchentlichen Cypher – die Rapper brauchen sowas wie OMAD. Einige von ihnen sind ja auch damals zu mir gekommen und haben gesagt, dass sie würden etwas suchen, wo man sich wöchentlich zum Rappen treffen kann.

Wann und wie hat es genau mit OMAD angefangen?

Ricky: Ich bin im November 2014 arbeitslos geworden und mein Chef hat mich nicht bezahlt. Also hatte ich in dem Moment kein Geld, um meinem Sohn ein Geschenk für Weihnachten zu kaufen. Ich hatte schon hin und wieder Partys veranstaltet und da dachte ich mir, ich mache eine HipHop Party. Also hab ich ein paar Rapper hier aus Leipzig angeschrieben, ob sie nicht auf der Party auftreten wollen. Und so gab es für meinen Sohn nicht nur etwas zu Weihnachten, sondern es ist auch OMAD daraus entstanden. Nach der Party waren halt noch ein Haufen Rapper da und die haben erzählt, dass es in Leipzig keine wöchentliche Cypher gab…

Und das war dann quasi der Startschuss.

Leipzig schreit nach einer wöchentlichen Cypher.

Ricky: Genau. Ich bin ein dankbarer Mensch, also bin ich dann losgerannt und habe angefangen zu organisieren. Aus der Dankbarkeit ist dann schnell ein Jahr geworden. Natürlich gab es auch Startschwierigkeiten. Die Dusche in Connewitz hat da anfangs viel geholfen, genau wie das Dr. Seltsam in Plagwitz.

Was macht OMAD in deinen Augen aus?

Ricky: „Open Mic am Dienstag“ etabliert sich zu einem kulturellen Treff, und das finde ich gut. Generell steht OMAD für Redefreiheit.

Im ersten Jahr ist viel passiert bei OMAD. Was waren Kinderkrankheiten, die in der Organisation bekämpft werden mussten?

Ricky: Definitiv Unzuverlässigkeit. (lacht) Das war eigentlich das Hauptproblem. Es gab schon Dienstage, da stand ich vor verschlossenen Türen in der Stockartstraße, obwohl einen Tag vorher alles vereinbart worden war. (Kopfschütteln)

Wie ist das Feedback nach dem ersten Jahr?

Ricky: Die DJs finden, dass die Locations ihnen noch etwas mehr Geld bezahlen könnten. Wenn eine Cypher sieben Stunden oder noch länger geht, dann sind eigentlich auch 70 Euro schon zu wenig. Wenn man selbstständig ist, dann ist ein Stundenlohn von zehn Euro eigentlich ein schlechter Witz. Aber da arbeiten wir dran. Wie war die Frage?

Wie das Feedback ist.

Ricky: Ach ja. Die Gäste finden die Abende cool. Es kommen ja nicht nur Rapper, es kommen auch mal Rocker, die auch ins Mic grölen wenn sie besoffen sind. (lacht) Und mittlerweile kommen jetzt auch öfters Mädchen bzw. Frauen, die ans Mic gehen. Das ist auch sehr gut.

OMAD - Open Mic am Dienstag
Das neue Logo von Open Mic am Dienstag

Neben den wöchentlichen Cyphers gab es 2015 auch eine OMAD Jam. Wird es weitere Jams geben?

Ricky: Wahrscheinlich ja. Es wird aber ab 2016 auch Battles mit schönen Preisen geben.

Wie wird es generell mit „Open Mic am Dienstag“ weiter gehen?

Ricky: Es gibt ein neues Logo und es wird nächstes Jahr auch eine Website geben. Wir haben uns jetzt außerdem auf vier feste Locations reduziert: Im Süden das Black Label und das Willsons, im Westen das Dr. Seltsam und im Osten die Shisha Bar Wunderlampe. Ab Januar wird es auch einen zweimonatigen Flyer mit allen Terminen geben. Es tritt also Kontinuierlichkeit ein. Wir haben zum Teil auch mittlerweile schon feste DJs für die Locations, was im ersten Jahr auch nicht so war.

Gibt es irgendetwas, das du dir für OMAD wünschen würdest?

„Open Mic am Dienstag“ etabliert sich zu einem kulturellen Treff.

Ricky: Ich würde mir wünschen, dass wir einen Austausch mit wöchentlichen Cyphers in anderen Städten hinbekommen. In Halle gibt es da die Montagsmaler und in Jena gibt es sowas auch. Vielleicht kann man sich ja mal verbinden oder man findet eine Truppe, mit der man mal Montags dahin fährt und im Austausch kommen dann mal andere Leute am Dienstag zu uns. Aktuell kommen aber jeden Dienstag andere Rapper – langweilig wird es bei OMAD also nicht.

Die nächsten Termine für OMAD im Überblick

22.12.2015, Shisha Bar Wunderlampe
29.12.2015, Willsons
5.1.2016, Willsons (als Battle)
12.1.2016, Dr. Seltsam

Mehr Termine und Konzerte findet ihr hier im RAP CIRCUS EVENTKALENDER
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