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Beppo S. & Peter B.: „Wir haben ein Herz für Hänger“ (Interview)

Mit ihrer „Still und Heimlich“ EP haben Beppo S. & Peter B. im November ihr jüngstes Projekt veröffentlicht. Auf der Scheibe setzt sich das Duo in intelligenten Texten kritisch mit seiner Umwelt auseinander, wobei die eigene Rolle in der Regel als Ausgangspunkt der philosophisch geprägten Betrachtung dient. Im Interview sprachen wir mit Beppo S. & Peter B. deshalb nicht nur über ihre musikalische Vergangenheit und Zukunft, sondern auch über Themen wie Gesellschaftskritik, Seelenfrieden und bürgerliche Utopien.

Als erste Frage würde ich gern direkt ein Youtube-Kommentar zu einem Song von euch aufgreifen. Da wird sinngemäß gefragt: Wie kann man mit einer so negativen Grundeinstellung zu dieser Welt nicht durchdrehen?

(Gelächter)

Beppo S.: Das war das erste Hate-Kommentar ever. Ich dachte nur: Yeah! (lacht)

Peter B.: Es gibt halt auch noch mehr zwischen traurig sein und total gut drauf sein. Die Welt geht nicht komplett unter, nur weil man ab und zu mal eine melancholische Zeile rappt…

Beppo S.: Mittlerweile bin ich öfters mit Menschen konfrontiert, die unsere Texte für schlau halten, was auch immer das sein soll – aber auch mit Leuten die meinen, wenn sie sich die Texte den ganzen Tag anhören werden sie traurig oder es zieht sie runter. Daran merke ich immer, dass es unterschiedliche Grundhaltungen gibt. Es gibt Leute, die werden bei bestimmten Themen traurig, und andere Leute halt nicht. Für mich ist die Auseinandersetzung mit einem negativen Thema einfach etwas positives, weil es ein Ergebnis mit sich bringt.

Peter B.: Selbst, wenn es nur eine Form der Verarbeitung ist.

Beppo S.: Genau. Ich denke wenn man einen Kanal hat, wo man sich auch mal mit anderen Sachen auseinandersetzt, fühlt man sich wohler im normalen Leben und kann auch mal alberner sein.

Würdet ihr sagen, ihr seht die Dinge grundsätzlich positiv oder negativ?

Peter B.: Das lässt sich schwer grundsätzlich sagen, finde ich. (lacht) Ich glaube, ich kann in den selben Dingen genauso das positive wie das negative sehen. Und wenn es nur stimmungsabhängig ist.

Beppo S.: Das hängt natürlich auch immer davon ab, wie emphatisch man durchs Leben geht und wie anfällig man für das Leid anderer Menschen ist…

Beppo S. - Beppo S. & Peter B.
Beppo S. (Bild: RAP CIRCUS)

Peter B.: Aber wenn Leute sagen, sie finden alles geil, was da draußen passiert, dann sehe ich es grundsätzlich eher kritisch. Aber wenn man realistisch an die Dinge rangeht und sie von verschiedenen Perspektiven aus betrachtet, dann würde ich mich nicht als negativ bezeichnen.

Beppo S.: Auf jeden Fall. Aber diese College-Rock-Kiddie-Attitüde…

Peter B.: YOLO!

Beppo S.: (lacht) …genau! Wenn ich auf Parties bin ist es schon manchmal so, dass ich mir denke: Boah, wie können die alle so sein…

Peter B.: … und wenn ich im Kaufhaus stehe, genauso. Oder wenn ich sehe, wie die Leute anstehen um Geld abzuheben oder irgendwo ihr Geld reinstecken wollen. Das ist sehr Situationsabhängig.

Beppo S.: Es gibt halt auch einige Sachen, die einfach scheiße sind.

Wie wichtig ist euch euer Seelenfrieden?

Peter B.: Wahrscheinlich ist es mit das Wichtigste. Ich weiß nicht, ob es zu aufopfernd klingt, aber noch wichtiger ist für mich der Seelenfrieden meiner Freundin. Wenn es ihr gut geht, dann geht es mir gut. Aber abgesehen davon ist zufrieden sein glaube ich die wichtigste Sache, dies es gibt.

Beppo S.: Ich find, wir leben in einer Zeit, in der alles Mögliche wichtig ist – aber halt nicht, einen eigenen Weg zu finden, mit dem man selbst zufrieden ist. Jetzt unabhängig von Karriere oder ähnlichen Sachen. Am Ende beisst man sich vielleicht irgendwann in den Arsch… aber am Ende lebe ich lieber in dem Gedanken, dass es wichtiger ist, Sachen zu machen die für mich wichtig sind und so mit mir zufrieden zu sein. Auch wenn das vielleicht eine Illusion ist.

Peter B.: Ich habe letztens den Abschiedsbrief von Steve Jobs gelesen. Es ist so traurig, dass ein Mann, der so schlau ist, so traurige Abschiedsbriefe schreiben muss. Er redet darin davon, dass er in seinem Leben nie auf die Liebe geachtet, nie auf sich selbst geachtet und sich nie um sein Umfeld Sorgen gemacht hat. Stattdessen lag der Fokus immer nur auf Karriere, Geld und Fortschritt…

Beppo S.: Ich glaube, wenn es irgendwas gibt, über das man am Ende seines Lebens kritisch reflektiert, dann ist es halt wahrscheinlich eher das, genau solche Sachen verpasst zu haben. Ich glaube nicht, dass ich irgendwann denke: „Boah, wäre ich mal Banker geworden“ oder „Hätte ich mal eine fette Villa gehabt“. Das wird nie das sein, wovon ich später mal das Gefühl haben werde, es verpasst zu haben. Das wären einfach ganz andere Sachen – und es geht darum, die im Leben auszukosten. Vielleicht hat man dabei ein bisschen weniger Geld. Aber das ist ok.

Auf dem Track „MS Utopia“ sprecht ihr von den gutbürgerlichen Lebenszielen „Haus, Frau und Kind“ als Utopie. Seht ihr es als unrealistisch, diese Ziele zu erreichen?

Beppo S.: Wenn ich mich selbst kritische reflektiere, prüfe ich ja immer wieder und entscheide mich immer wieder neu für das, was ich tue. Und es ist ja nicht so, dass ich mir nicht auch manchmal die Frage stelle, ob es einfacher wäre, wenn ich beispielsweise nicht Philosophie als Studium gewählt hätte oder so viel Zeit mit Musik verbringen würde. Letztendlich ist man ja auch nicht frei von den Anforderungen unserer Gesellschaft. Man sagt es vielleicht oder man thematisiert es, weil man es versucht. Mein Part von „MS Utopia“ endet ja auch mit den Worten „Ich will mich abgrenzen, aber wie geht das? (Ich) zeig Einsicht, dass ich immer ein Teil des Systems war.“ Man kann sich ja davon nicht frei machen. Wenn man in einer Gesellschaft lebt, wo es einen Konsens gibt, dann ist es schon schwer sich gegen diesen Konsens zu wenden. Es ist halt einfach die Frage, ob es das höchste Ziel sein muss. Ich möchte mein Leben nicht danach ausrichten, dass ich mir irgendwann ein Haus leisten kann. Wenn ich mir durch irgendwas, das ich cool finde, Geld verdienen und ein Haus leisten kann, dann ist das natürlich schön.

Peter B.: Da würde wahrscheinlich keiner nein sagen. Die Hook stellt das Ganze ja auch in Frage. „Ob ich das auch brauch?“ Ein wirkliche Antwort gibt es da aber nicht. Man weiß es ja nicht mal selbst. (lacht) Und ob es eine Utopie ist? Ich glaube, wenn ich irgendwann eine Familie habe und das alles so durchziehe, wie ich es bis jetzt mache, dann ist das keine Utopie. Aber wenn Leute in ihrem Einfamilienhaus leben und dieses klassische Mittelstandsleben führen, in dem sie die ganze Zeit am Rackern sind, damit sie sich genau diesen Standard leisten können, den sie dann von 18 bis 20 Uhr haben, bevor sie wieder ins Bett müssen – dann finde ich, es ist schon eine Utopie. Und ob man selbst eine Familie, ein Haus und so will, muss sich glaube ich jeder selbst beantworten.

Auf der einen Seite gibt es diesen angesprochenen Konsens der Gesellschaft. Aber was sind eure Lebensziele? Oder kurzfristiger: Habt ihr Ziele, wo ihr in 15 oder 20 Jahren sein wollt?

Peter B.: Diese Frage habe ich mir tatsächlich gestern erst gestellt, das ist total schwierig. Ich mache sowas gerade bei meiner Arbeit mit Kids an Schulen, wo ich die frage wo sie sich in zehn Jahren sehen. Bei der selben Frage konnte ich selbst keine Antwort geben. (lacht) Auf jeden Fall will ich so viel Musik machen wie möglich. Ich glaube, darauf ist auch ein bisschen mein Leben ausgelegt derzeit. Ich glaube nicht, dass ich so viel arbeiten werde, dass ich Geld anspare. Ich arbeite so viel wie nötig um meinen Lebensunterhalt finanzieren zu können, um eben möglichst viel Zeit für die Musik zu haben. Ich versuch also eher, mir einen Freiraum zum Musik machen zu schaffen. Eigentlich wäre es cool, wenn der Freiraum mit der Zeit immer größer wird. Ich weiß nicht, ob das Ziel ist, von Musik zu leben. Das ist zwar keine Utopie, aber für mich ist dieser Weg fast schwieriger, als der Konsens. Ich wüsste wie es anders geht: Wo ich mich bewerben müsste, wie ich arbeiten müsste und wie ich mir irgendwann eine teuere Wohnung leisten könnte. Aber ich will einfach nur so viel wie möglich Musik machen.

Peter B. - Beppo S. & Peter B.
Peter B. (Bild: RAP CIRCUS)

Beppo S.: Wenn man jetzt langfristig nur vom Mucke machen leben will, dann ist es denke ich schon irgendwie ein Struggle.

Peter B.: Zumindest mit der Musik, die wir machen.

Beppo S.: Es kann natürlich sein, dass es irgendwann mal ein paar Jahre gibt, wo man mal davon leben kann. Nicht unbedingt wir, aber so überhaupt. Aber langfristig kann ich mir vorstellen, dass dann auch etwas verloren gehen kann, was an der Musik für mich eigentlich eine Bereicherung ist: Dass ich dort keinen Druck habe und es für mich eher ein Ventil ist für den Druck, den ich im Alltag habe. Wenn man einen Job hat, der einen nicht in der Musik einschränkt, dann ist alles gut.

Peter B.: Und wenn man diesen Job dann noch gern macht, dann ist alles cool.

Beppo S.: Am Ende ist es ehrlich gesagt aber so, dass ich mir da gar nicht so viele Gedanken drüber mache. Einfach, weil ich bisher gemerkt habe, dass sich viele Sachen einfach ergeben. Gerade ist es auch so, dass ich neben dem Studium die Zeit habe. Am Ende weiß man trotzdem nie, was in zehn Jahren ist. Ich denke halt auch, man sollte keine Sachen aufschieben oder sich für später aufheben.

Peter B.: Sobald du Musik machst, ist die Zeit egal. Da denkst du auf keinen Fall drüber nach, wo du in zehn Jahren stehen könntest.

Beppo S.: Aber das ist auch gar nicht so auf die Mucke bezogen, sondern eher ganz allgemein. Du kannst halt morgen über die Straße laufen und vom Bus überfahren werden. Ich bin jetzt nicht so „nutze den Tag“ und „party on“ mäßig, das ist mir nicht wichtig. Bei mir bleiben zwar manche Sachen liegen, aber weil ich mich halt für das entscheide, für das was mir wichtig ist und was mir etwas gibt. Bei mir ist das halt Musik.

Peter B.: Wir haben ein großes Herz für Hänger. Man muss aber auch gar nix machen, wenn man damit voll zufrieden ist.

Was sind eure ideologischen Leitbilder und Einflüsse?

Peter B.: Das ist ganz schwierig. Ich habe im Alter von 14 bis 16 Jahren gefühlte tausende Biografien von Menschen durchgelesen, die mir halt wichtig waren. Ich glaube, da habe ich mein ideologisches Bild schon so verfestigt. Das zu benennen ist echt schwierig…

Beppo S.: Vom Grund-Ding her bin ich mit punkigen Menschen sozialisiert worden. Das hat sich auf jeden Fall auf meine Grundperspektive und Grundwerte ausgewirkt. Nicht, dass ich jetzt ein Punk wäre oder der Punk unser Ideal wäre. Aber wir kommen beide aus einem fränkischen Städtchen, da hat man im Hofgarten mit den Punkern abgehangen. Die ganze alternative Szene war halt miteinander vernetzt. Man erlebt da halt, dass es theoretisch auch ganz anders geht, und dass man mit Normen auch ganz brechen kann. Ich hab in den vergangenen Wochen ein bisschen Nietzsche gelesen. Er ist halt auch so ein Typ, der von der universitären Philosophie nicht so hoch geschätzt wird, weil er auch nicht so mega wissenschaftlich war. Seine grundsätzlich andere Perspektive auf die Dinge finde ich einfach interessant: Dass man einfach merkt, ich kann mich auch von diesen gesellschaftlichen Normen des Jahrhunderts, in dem wir leben, voll lösen. Denn warum sollte dieser kleine Abschnitt, in dem ich lebe, das Non-Plus-Ultra sein – und damit irgendwie Maßstab für mich.

Peter B.: Deswegen fällt mir die Antwort wahrscheinlich auch so schwer, weil ich das echt nie theoretisiert habe. Früher in der Schule hast du halt zu der Gruppe gehört, die irgendwie auffällig war und im Eck irgendwas anderes gemacht hat als der Rest. Danach haben wir mit den Punkern im Park abgehangen, und dann fandest du auch die anderen alle doof, die den ganz normalen Film schieben. Du wolltest anders sein und hast halt ganz andere Werte gelebt, als der Mainstream um dich herum – ohne das bewusst zu theoretisieren. Du hast den Scheiß gemacht, den du machen wolltest. Eigentlich haben wir immer das gemacht, was wir machen wollten. Wir haben in der Jugend viel Scheiße gebaut und auf den Rest einen Fick gegeben. Ich glaube, das ist auch das, was immer noch übrig geblieben ist: Dass man nicht so leben muss, wie alle anderen das vorgelebt bekommen.

Beppo S.: Wobei dieses Streben nach Individualismus nur ein Befreiungsdrang ist, von dem aus man sich seine eigene Identität sucht.

Peter B.: Und dabei hat die Jugend halt voll geholfen, in der man einfach nicht das gemacht hat, was 90 Prozent der anderen gemacht haben. Man hat sich halt mit seinen paar wenigen Freunden im Bauwagen abgelegt und dort von Jimmy Hendrix über die Beatles alles durchgehört…

Beppo S.: … damals in den 70ern… (Gelächter)

Peter B.: Nein, ja eben nicht. Aber das ist ja das Ding: Was haben die gehört, Alter? DJ Bobo oder sowas. (lacht)

Beppo S. & Peter B.
Bild: RAP CIRCUS

Ihr übt in eurer Musik Kritik an der Gesellschaft und ihrem Werteverlust. Was sind Themen, die euch besonders ankotzen?

Peter B.: Bedingungsloser Kapitalimsus genauso wie Fremdenhass und Rassismus. Das sind alles sehr schwere Themen, weswegen sie schwer in Lieder zu packen sind.

Beppo S.: Wir machen das ja nicht so, dass wir das auf die Schiene Polit-Rap machen. Auch wenn ich durch meine Jugend auch punkrockig beeinflusst bin. Polit-Rap ist oft parolenartig und sehr offensiv und direkt in den Texten. Bei uns findet das eher zwischen den Zeilen statt. Es geht darum, das Problem oder Phänomen in eine Allgemeinheit zu packen. Ich finde, wenn man direkte Kapitalismuskritik in einen Songtext bringen will, dann ist das am Ende sehr oft super verkürzt. Für mich ist ein Text auch zu emotional, um da sachliche Kritik zu äußern – denn es kommen bei mir immer Sachen in den Text, die emotionale geprägt oder verarbeitet wurden.

Peter B.: Wir verarbeiten einen Sachgegenstand emotional und bringen ihn dann aufs Blatt. Dann klingt er halt nicht mehr so wie ein politischer Song, aber er hat auf jeden Fall eine Message.

Beppo S.: Aber wir würden nicht direkt einen Song über ein Thema wie die Sexismus-Diskussion machen. Wir verarbeiten das dann eher mit sowas wie: „Homophobe Pisser wichsen auf Lesbenpornos“. Das ist dann halt mein Statement dazu. (grinst)

Ein wiederkehrendes Motiv auf eurer „Still und Heimlich“ EP ist die Religionskritik…

Beppo S.: Ja das stimmt. Es ist nicht so, dass wir ein Problem damit hätten wenn Menschen gläubig sind. Religion ist halt einfach auch so ein großes und schwieriges Thema. Und die Auseinandersetzung, die wir selbst mit diesem Thema führen, fließt auch teilweise in die Texte mit ein.

Peter B.: Ich glaube das Problem, das wir sehen, ist die Reduzierung auf Gott. Dass Leute die Dinge so vereinfachen und sagen, alles Gute oder alles Böse passiert aufgrund von einem Gott. Aber von uns Beiden ist keiner in irgendeiner Form gegen Religiösität.

Beppo S.: Richtig. Aber diese Flucht in den Glauben ist für mich etwas, das ich sehr problematisch finde. Ich verstehe, wenn Leute eine schwierige Zeit haben und der Glaube ihnen da durch hilft. Das macht voll Sinn. Aber umso mehr wirkt es auf mich wie etwas, an dem sich Menschen festhalten, weil es für viele von ihnen wahrscheinlich schwierig wäre anzuerkennen, dass das was wir sehen und wahrnehmen alles ist. Manche zieht dieser Gedanke vielleicht runter, dass es kein Schicksal gibt oder dass man sich nach dem Tod nicht wieder sieht. Für andere Leute kann dieser Gedanke aber auch befreiend sein, wenn sie merken, dass sie nicht auf irgendwas im nächsten Leben hoffen müssen. Das gibt ihnen voll die Berechtigung, im Hier und Jetzt rücksichtslos mit Erwartungen umzugehen und das zu tun, was für sie wichtig ist. Religiösität hat auch immer diese höheren Kraft, die dir sagt was du tun darfst und was nicht. Damit nimmt sie dir die Aufgabe ab, selbst drüber nachzudenken was richtig und was falsch ist. Das finde ich nicht gut, und das wäre für mich auch langweilig.

Religion ist für viele Menschen die größte Konstante im Leben. Was ist eure Konstante?

Beppo S.: Einfach Mucke, auf jeden Fall. Und die Menschen um einen herum.

Peter B.: Musik und der Überbegriff Liebe – es muss ja nicht Gott sein. Aber was Mucke einem für Energie und Kraft gibt und was die Menschen um einen herum einem für Kraft und Halt geben…

Beppo S.: …das ist ja schon genug, da muss ich für mich nichts weiter hochstilisieren. Das ist schon an sich krass, was es für liebenswerte und Liebe gebende Menschen gibt. Unser Umfeld ist in jedem Fall mega.

Peter B.: Wir halten es halt echt klein. Wir sind nicht so, dass wir 20.000 Menschen kennen. Aber wir haben unsere Leute, Freunde und Freundinnen. Das sind unsere wichtigsten Menschen, und das ist viel greifbarer, als es irgendein Glaube sein kann. Deswegen halte ich mich echt lieber an sowas fest.

Ihr habt 2014 eure erste gemeinsame EP „Fünf Titel“ veröffentlicht, der älteste gemeinsame Track, den man von euch online findet, ist von 2012. Wie und wann habt ihr euch kennengelernt?

Beppo S.: Wir kommen mehr oder minder aus der gleichen Stadt.

Peter B.: Das ist ein Stadt mit 40.000 Einwohnern. Das heißt, wenn du den selben Film schiebst, lernst du dich zwangsläufig kennen.

Beppo S.: Es gab eigentlich immer so ein paar Leute dazwischen, über die man sich gekannt hat und den Anderen auf dem Schirm hatte.

Peter B.: Ich saß zum Beispiel bei seinem Bruder rum, also ein Zimmer über Beppo. Dann saß er mal in einer WG rum, wo ich auch öfters mal saß. Irgendwann bin ich mit Freunden von ihm zusammengezogen, und dann saß er auch bei uns rum.

Beppo S.: Eigentlich bist du doch in die Bude reingezogen, in der ich schon rumsaß. (Gelächter)

Peter B.: Ja genau, so ungefähr war es dann. (lacht) Stimmt!

Beppo S.: Diese WG war auch mein Hauptbezugsort, und so haben wir uns dann richtig kennengelernt.

Peter B.: Und nach einem halben Jahr hatten wir im Wohnzimmer schon den ersten Track aufgenommen.

Beppo S.: Am Anfang haben wir noch mit einem anderen Kumpel zusammen einfach aus Spaß Tracks aufgenommen, die auf jeden Fall noch einen anderen Flavour hatten als unsere Musik jetzt.

Peter B.: Die Tracks wird auch keiner jemals zu hören bekommen. (lacht)

Beppo S.: Das waren halt die ersten Gehversuche. Irgendwann haben wir angefangen, die Musik etwas ernster zu nehmen. Ab dem Punkt haben wir das eigentlich auch schon zusammen als Duo gemacht.

Peter B.: Und um die Frage nochmal zu beantworten: Es war so etwa um 2009. Aber man hat sich auch schon vorher vom sehen gekannt.

Und wie kam es dann dazu, dass ihr nach Leipzig gezogen seid?

Peter B.: Wenn du aus einer Stadt mit 40.000 Einwohnern kommt, bleibst du irgendwann einfach übrig, wenn du als junger Mensch nicht wegziehst. Es gibt halt ganz große Lager in Berlin, ganz große Lager in anderen Städten. Im Endeffekt ist besagte Wohnung, in der wir rumsaßen, fast komplett hierher gezogen. Das hatte auch mit Bewerbung für Job und Studium zu tun.

Beppo S.: Die Hälfte der Leute aus unserer Heimatstadt ist nach Berlin gezogen. Wir hatten aber keinen Bock darauf in eine Stadt zu gehen, wo schon so viele Leute sind die man kennt, dass sich das Umfeld und der Lebensrhythmus gar nicht ändern würde, weil man haargenau den gleichen Film weiterfahren könnte. Irgendwo ist es auch cool, für neue Leute offen sein zu müssen.

Peter B.: Warum es konkret Leipzig geworden ist, kann man eigentlich gar nicht so richtig sagen.

Beppo S. & Peter B.
Bild: RAP CIRCUS

Die Grundstimmung auf „Still und Heimlich“ ist ernster als die von „Raps gegen das Sommerloch“. Wo liegt für euch der künstlerische Unterschied zwischen den beiden Projekten?

Peter B.: Beim „Sommerloch“-Projekt war das genau das Prinzip: Beat picken oder bauen, schreiben und aufnehmen. Und das in einem kurzen Zeitraum, ganz locker. Es ist in einem ganz anderen Flow entstanden.

Beppo S.: Es hatte halt auch mehr diesen sessionartigen Vibe. Das finde ich auch gut bei Tracks, die man so zwischendurch mal rausschießt: Man hat einfach nur Spaß am Schreiben, stellt den Flow vielleicht mehr in den Vordergrund und macht auch mal ein Representer-Ding. Auf einem Album sage ich dann lieber mehr – aber ich mache manchmal auch einfach gern nur Mucke. Da kommt dann sowas raus wie auf dem „Sommerloch“-Ding. Einfach ein Beat und Spaß.

Peter B.: Bei „Still und Heimlich“ ist der künstlerische Anspruch dann schon so gewesen, dass man bei einer EP ein komplett rundes Ding macht mit Beats von einem Typen, hier VersOne, und mit ausschließlich uns darauf. Wir haben die Platte damals zusammen in unserer ersten WG in Leipzig geschrieben. „Still und Heimlich“ ist ein in sich geschlossenes Projekt. Und für mich ist es auf jeden Fall wichtiger als „Sommerloch“.

Beppo S.: Der Eindruck, den man von uns bekommt, ist aber näher an unserer Persönlichkeiten, wenn man auch das „Sommerloch“-Projekt mit einbezieht, und nicht nur „Still und Heimlich“.

Peter B.: Man wird der Persönlichkeit glaube ich gerechter, wenn man auch mal ein lockeres Ding mit reinnimmt. Nach Auftritten gibt es zum Beispiel teilweise Situationen wenn Leute uns kennen lernen, dass sie sagen „Was, wieso seid ihr so lustige Dudes, ich hab gedacht ihr seid so und so…“

Beppo S.: Die Leute denken, wir können nicht auch blöde Witze machen. Wir machen aber mega viele blöde Witze. (lacht) Für mich fühlt es sich aber halt nicht so ganz stumpfsinnig an, wenn wir mit unserem DJ zu einem Gig fahren und nur Scheiße labern, wenn ich weiß, dass ich mich in meinem Leben auch mit Sachen auseinandersetze die wichtig sind. Dann kann ich auch den Rest des Tages Scheiße labern. Aber wenn jemand nur „Still und Heimlich“ kennt, dann stellt er sich uns auf jeden Fall auch anders vor, als wenn er das „Sommerloch“-Projekt hört.

Peter B.: Deswegen kann man sagen: Der künstlerische Anspruch von „Still und Heimlich“ ist vielleicht höher gewesen, aber Sommerloch war genauso wichtig. Vom Workflow hat uns „Sommerloch“ fast mehr Spaß gemacht.

Interessant ist, dass ihr im Gegensatz zu vielen anderen Rappern auf eurem offiziellen Release dann bewusst auf euer eigenes Namedropping verzichtet.

Beppo S.: Wir arbeiten gerade an einem neuen Projekt mit Soulmade, das auch so einen sessionartigen Vibe hat. Da sagt man dann halt mal „Beats by Soulmade“. Aber es ist halt auch immer mit Lines vermischt, die einen gewissen Mindstate vermitteln.

Peter B.: Ich denke aber auch, dass ein Representer von uns immer noch etwas anderes ist als ein Representer von Farid Bang oder Fler. Natürlich ist das ein anderes Maß. Wir reflektieren das stark.

Beppo S.: Aber bei dem neuen Tape mit Soulmade ist es so dope, dass es einfach unproblematisch ist. Wenn man Sachen dope macht, dann ist es immer cool! (lacht)

Peter B.: Man muss seinen Track einfach in drei, vier, fünf Jahren oder noch viel später hören können und noch dazu stehen können. Und wenn ich dabei zehntausend mal unreflektiert meinen Namen raushaue, dann ist das schon fragwürdig. Dann bist du wie ein Pokemon, das andauern seinen Namen schreit. (lacht)

Beppo S. & Peter B. - Still und Heimlich EP
Cover zur „Still und Heimlich“ EP

Eure EP heißt „Still und Heimlich“. Was steckt hinter dem Namen?

Peter B.: Das beschreibt so ein bisschen den Werdegang, den wir gerade gehen und den Workflow, den wir haben. Es ist ja nicht so, dass wir mit einer mega Präsenz Rapdeutschland erobern…

Beppo S.: Wenn sich die Mucke halt irgendwie verbreitet, dann still und heimlich.

Peter B.: Und wenn dann wie neulich in Hamburg beim Konzert Leute in der ersten Reihe stehen und unsere Texte auswendig können, dann ist das mega geil. Dann hat sich das still und heimlich bis nach Hamburg verbreitet, auch ohne die großen Kanäle. Das macht einen halt echt zufrieden.

Existieren bei euch irgendwelche Strukturen, oder veröffentlicht ihr alles in Eigenregie?

Beppo S.: Credits für den Support gehen auf jeden Fall an Kallsen, der von Anfang an mit Beats und mit den Veröffentlichungen geholfen hat. Außerdem hab ich, als ich meine MPC neu hatte, guten Input von dude26 bekommen. Er hat mir Dinge gezeigt und mir Drums gegeben. Für mich ist er einfach einer der krassesten Produzenten in Deutschland. Er ist halt ein mega Nerd und hat mir produktionstechnisch mega viele Türen aufgemacht, für die ich ansonsten wahrscheinlich Jahre gebraucht hätte. Auch wenn das nie so extrem lange Sessions waren, kann ich von dem, was ich da gelernt habe, noch ewig lang zehren.

Peter B.: ChezzOne ist auch immer da.

Beppo S.: Das ist ja jetzt auch schönerweise so gelaufen, dass wir jetzt in der Daily Concept Clique mit am Start sind. Wir hängen mit den Jungs schon so viel rum… mit dude26, mit IAMPAUL, mit Soulmade… Es ging halt auch erst über das Menschliche, und dann kam die Musik. Irgendwann haben die gemeint, wenn wir Bock haben würden sie sich freuen, wenn wir mit am Start sind. In Zukunft werden wir über Daily Concept releasen. Wir haben das Glück, Teil des geilsten Camps zu sein und freuen uns natürlich einfach mega.

Peter B.: Dementsprechend liefern wir dann auch ein Projekt auf den Beats von Soulmade ab. Das ist für uns auch ein zusätzlicher Ansporn, bei Daily Concept in so einer Riege von geilen Künstlern zu stehen, die wir auch alle bedingungslos feiern.

Die letzte Frage habt ihr damit eigentlich schon fast beantwortet, aber erzählt noch einmal: Was sind die nächsten Projekte, die bei euch in Aussicht stehen?

Peter B.: Da gibt es sogar viel mehr, als wir schon angesprochen haben. Der nächste Move ist das Ding mit Soulmade. Zusätzlich haben wir auch schon ein neues Video für einen Track auf einem Beat von DJ Inhale, das bald rauskommt. Dann haben wir ein Projekt auf Beats von Beppo S.

Beppo S.: Ja genau, das ist eigentlich auch schon ein relativ fertiges Album. Dann haben wir auch noch ein Projekt mit IAMPAUL. Unser Problem war ja bisher wirklich nicht, dass wir nix gemacht haben, sondern dass ab dem Punkt, an dem es um Veröffentlichung geht, nicht die Erfahrung und die Kanäle da waren. Deswegen hat sich viel herausgezögert und wir haben erstmal voll viel in die Schublade produziert. Jetzt wird das aber alles leichter von der Hand gehen, weil wir die Möglichkeit haben mit Leuten zu arbeiten, die halt einfach Erfahrung mitbringen.

Peter B.: Das schöne an Daily Concept ist, dass die uns bei alldem helfen können, was bisher nicht in unserer Hand lag und uns auch pushen. Die haben auch verstanden, wie wir arbeiten. Da kommt dann auch mal die Frage „Na, schon aufgenommen?“. Mit einem Augenzwinkern natürlich, aber es spornt an.

Beppo S.: Das macht natürlich auch heiß, weil man merkt: Geil, die haben auch Hunger und Bock. Man pusht sich halt gegenseitig und fährt den gleichen Film. Deswegen gibt es auch viel, auf das man sich freuen kann.

Peter B.: Faul sind wir nicht, was die Mucke angeht. Wenn es was gibt, wofür wir uns Zeit nehmen, die wir nicht haben, dann ist es im Moment das Schreiben. Und das wird bestimmt auch noch länger so sein.

Beppo S. & Peter B.
Bild: RAP CIRCUS

Die „Still und Heimlich“ EP von Beppo S. & Peter B. könnt ihr digital und auf CD hier auf Bandcamp erwerben. Bei Vinyldigital sind außerdem auch noch einige Tapes auf Lager, die auch die Instrumentals von VersOne enthalten.

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