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INSIDE TRACKS #5: Siriuz über „Quantenphysik“

Die Rubrik INSIDE TRACKS erzählt Entstehungsgeschichten und Hintergründe von Musik. In Episode #5 spricht Siriuz über die Musik auf seinem neuen Release „Quantenphysik“.

Ungeladene Gäste

„Ungeladene Gäste“ ist so ein Track, bei dem ich im Nachhinein echt stark überlegt habe, ob er überhaupt auf die EP passt. Eigentlich wollte ich gar keine Battletracks mehr machen. Im Moment des Schreibens war ich wütend wegen einer bestimmten Person. Ich hab ohne ein Konzept einfach angefangen zu schreiben, und dementsprechend kam dann ein sehr wütender Song raus, der für meine Verhältnisse sehr hart ist. Dann haben wir noch diese Hook gemacht, und jeder, dem ich den Song gezeigt hab, fand ihn dope. Ich selber finde den Track eigentlich auch dope, aber ich dachte er passt nicht zum Rest der EP. Die Idee zu „Quantenphysik“ war ja eigentlich, eine Vorstellung von mir als Rapper zu liefern. Und da gehört Battle letztendlich auch mit rein, deswegen passt der Track dann doch wieder. Der Beat kommt gut rein und funktioniert gut als Intro.

Siriuz - Nordwind - Quantenphysik
Bild: Screenshot (LEntertain/Siriuz)

Blaue Rednecks

„Blaue Rednecks“ ist der einzige Track, der extrem assoziativ entstanden ist. Das ist ein typischer Representer. Der Beat ist geil, der Text ist einfach darauf entstanden. Eigentlich ist es der Track, den ich am wenigsten mag von der EP – und der Track, den mein Produzent Rato am meisten mag. Wir haben uns da echt drüber gestritten, weil ich nicht verstehe, wie er den Track so feiern kann. (lacht) Er hat aber echt dafür gekämpft, dass der Track auf das Release drauf kommt. Ich hab dann halt gesagt na gut, wir hauen den mit drauf.

Lebende Tote

Das ist ein Song, den habe ich schon seit Ewigkeiten fertig gehabt, aber nie aufgenommen. Ich hab den auch schon auf vielen, ganz verschiedenen Beats gerappt. Für mich gab es so den Moment der Erleuchtung, als ich auf einer Open Mic Session im Leipziger Schuppen war. Da hat eine Live-Band gespielt und ich hab mir dann das Mic geschnappt und angefangen diesen Song zu rappen. Die Hook mit den Worten „Lebende Tote“ hab ich dann gefühlte 300 Mal wiederholt, und das immer etwas anders betont. Die Leute sind darauf halt abgegangen, und da habe ich das Potential von dem Song gesehen. Wenn ich live spiele, ist der Song jetzt auch immer dabei. Er funktioniert live einfach geil. Viele Tracks auf „Quantenphysik“ sind aus Texten entstanden, die schon länger bei mir rumlagen. So auch „Lebende Tote“.

Siriuz - Quantenphysik

Quantenphysik

„Quantenphysik“ ist so ein Song, der meinen alten Style repräsentiert. Noch vor drei, vier Jahren habe ich extrem viele Storyteller-Sachen gemacht. Das war auch immer so ein Markenzeichen von mir. Das habe ich irgendwann nicht mehr so intensiv gemacht. Was ich bei manchen Rappen am Storytelling nicht mag ist, wenn die Story alles ist und keine Metaebene vorhanden ist. Die erzählen also die Geschichte nur der Geschichte wegen. Ich mag beim Storytelling, wenn du die Story benutzt um einen größeren Zusammenhang darzustellen. Oder wenn die Geschichte so gestrickt ist, dass man sich als Hörer noch etwas für sich herausziehen kann. „Quantenphysik“ ist halt so ein Song, der zwar auch Humor hat und witzig ist – am Ende das Tages geht es aber um eine ziemlich deepe Message. Wenn man das zusammenfassen will geht es darum, sein eigener Gott zu sein. Das ist ein Thema, mit dem ich mich schon viel beschäftigt habe und viele Kneipengespräche drüber geführt habe. (lacht) Der Song fasst das gut zusammen. Eigentlich wollte ich, dass mein Mitbewohner, der gut zeichnen kann, dazu noch ein Comic-Video macht. Daraus ist aber leider nichts geworden.

Acapella-Skit

Der „Acapella-Skit“ ist ja in diesem Teaser entstanden, den ich gemacht habe. Eigentlich sollte es halt wirklich nur ein Skit werden, mit Beatbox und ein Sechzehner drauf gerappt. Dann waren wir halt im Studio, die Kamera war an, wir waren alle motiviert und hatten irgendwie Bock rumzubasteln. Dann sind wir auf eine Melodie gekommen, dann auf eine Zweitmelodie, haben noch einen Bass acapella eingebrummt… es ist halt so alles komplett spontan entstanden. Komplett geile Aktion! Am Ende ist es so cool geworden, dass es in der Form mit auf der EP gelandet ist.

Dornenzweig (feat. Makant)

In letzter Zeit hänge ich viel mit Makant rum und wir schrauben an Tracks. An einem Abend haben wir relativ viel gemacht, und er hat mir diesen Beat von sich gezeigt. Ich war halt sofort geflasht und er hatte auch schon eine Strophe drauf. Ursprünglich war der Song für ein Projekt von Kkorpus Delikkti geplant. Irgendwie ist es dann aber so gewesen, dass ich unbedingt was drauf schreiben wollte. Ich hab dann meinen Part geschrieben, wir haben an dem Abend noch zusammen die Hook gemacht und irgendwie meinte er zu mir, ich könnte den Track für meine EP verwenden, wenn ich Bock hätte. Ich hab das dann natürlich gemacht, weil ich den Song ziemlich fett finde. Ein Video wollen wir dazu auch noch machen. „Dornenzweig“ ist der dunkelste Song auf der EP würde ich sagen.

Nordwind

Bei „Nordwind“ habe ich auf jeden Fall extrem lang an der Hook gebastelt. Wir hatten da ganz viele verschiedene Versionen und es hat echt lang gebraucht, bis ich zufrieden war. Als wir die Hook dann hatten, waren wir alle geflashst davon. Es war dann sofort klar, dass das die Single werden muss und dass es was atmosphärisches mit Natur sein muss. Ich finde den ganzen Song extrem sphärisch und extrem weit, er öffnet irgendetwas. Das finde ich das geile an dem Song, vor allem auch an der Hook. Ich finde auch das Mixing ist die beste Leistung von Rato bisher, er hat da ganze Arbeit geleistet. Ich bin überstolz auf den Song, ich mag ihn sehr. Zum Video lässt sich sagen, dass ursprünglich ein ganz anderes Video geplant war. Wir hatte schon angefangen zu Filmen, so in der Stadt, mit Zeitlupen… und ich hab es überhaupt nicht gefühlt. Ich dacht mir halt, das passt so nicht. „So viel“ ist für mich so das Stadtvideo schlechthin, und ich wollte das Gleiche halt nicht nochmal machen. Deswegen haben wir dann einfach einen neuen Termin gemacht, uns ins Auto gesetzt und sind in die Natur gefahren. Den Steinbruch im Video haben wir uns vorher rausgesucht, alles andere haben wir unterwegs gefunden. Es ist viel spontan entstanden und ich finde das Video ziemlich nice.

Besser als Nichts (feat. Stockinger)

„Besser als Nichts“ ist ein Track, der ursprünglich für ein ganz anderes Projekt geplant war. Im Endeffekt hat er aber das gehabt, was der EP noch gefehlt hat: Ein smoother Song auf einem Jazz-Loop. Es hat einfach gepasst so. Stockiger war cool damit, und dann ist er auch auf die EP gekommen.

Dein Lied

Das ist der Song, der als letztes entstanden ist. Ich hatte vor dem Release eine Tracklist hochgeladen, da war der noch gar nicht dabei. „Dein Lied“ ist entstanden, als alle anderen Tracks schon fertig waren. Für mich ist das der absolute Lieblingssong auf der EP. Ich weiß gar nicht genau wieso. Der Song strahlt für mich eine übelste Wärme aus – wenn ich ihn höre, denke ich an Herbst, Orange, Wärme und so weiter. Ich kann mich da richtig reinlegen in den Song und die Hook. „Dein Lied“ wird auch das zweite Video von „Quantenphysik“ werden. Zu sehen gibt es dabei nur Impressionen, es gibt da keine Performance-Szenen in denen ich rappe. Das wird sehr atmosphärisch, was glaube ich gut zu dem Song passt.

Superheld

Bei „Superheld“ ist es so, dass ich den Beat schon längere Zeit herumliegen hatte. Ich wollte schon öfters mal was darauf machen, habe aber keinen thematischen Zugang gefunden. Ich wusste aber, dass es irgendwas ironisches sein muss und irgendwas persönliches. Ich wollte keinen Track machen, in dem ich rumheule und über meine Probleme rede. Ich wollte einen persönlichen Song anders aufziehen – nicht einfach erzählen, mir geht es so und so, sondern einen anderen Zugang finden. Dann hab ich mir halt dieses Superhelden-Thema rausgesucht und das ein bisschen ironisch aufgezogen. Wer mich kennt, der liest zwischen den Zeilen auf jeden Fall sehr viel persönlich Sachen raus. Für alle Anderen ist es einfach ein lustiger Song.

Siriuz - Nordwind - Quantenphysik
Bild: Screenshot (LEntertain/Siriuz)

Unfall

Der Text von „Unfall“ ist der älteste auf „Quantenphysik“. Den hab ich 2014 geschrieben. Ich glaube der Text lag so ewig lang rum, weil ich nie den passenden Beat gefunden habe. Irgendwann bin ich dann durch Zufall auf diesen Beat gestoßen, und dann ist der Track entstanden. Dadurch, dass der Track mit einem prägnanten Satz ausklingt, der den gesamten Song noch einmal zusammenfasst, ist es ein geiles Ende für die EP. Für mich war von vornherein klar, dass „Unfall“ der letzte Song sein muss. Und im Endeffekt ist „Unfall“ auch eine Art Quintessenz auf die „Quantenphysik“ EP und auf das gesamte Thema.

Die „Quantenphysik“ EP von Siriuz ist seit Anfang November als kostenloser Download erhältlich. Hier findet ihr alle Infos inklusive Downloadlink zum Release.

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