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Eisenbahnstraße: „taff“ war wieder zu Besuch

„Bandenkriminalität. Schießereien. Drogen.“ Mit diesen Worten begann Ende 2013 die Ausstrahlung eines TV-Beitrags über die Leipziger Eisenbahnstraße. In Leipzig wurde der Begriff „gefährlichste Straße Deutschlands“ aufgrund der überzogenen und einseitigen Berichterstattung in der Reportage schnell zum Running Gag. Nun hat der Beitrag einen neuen Aufguss bekommen.

Nachdem der neuer Bericht zur Eisenbahnstraße bereits Ende September im TV ausgestrahlt wurde, hat das ProSieben-Boulevardmagazin „taff“ den Clip Anfang November auch bei Youtube veröffentlicht. „Schießereien. Messerattacken. Drogenhandel“ heißt es diesmal zu Beginn des Beitrags mit dem Titel „Update: Die schlimmste Straße Deutschlands“. Aktuell zählt der Clip auf dem „taff“-Channel zu den fünf meistgeklickten, neuen Videos der vergangenen Woche.

Anlass für den Bericht war offenbar die Einrichtung des neuen Polizeipostens in der Eisenbahnstraße. So heißt es zu Beginn des Videos: „Um die Situation in den Griff zu kriegen, wurde jetzt ein Polizeiposten eröffnet“. Leider ist das nur fast richtig, denn die Außensteller der Polizei in der Eisenbahnstraße 49 wurde bereits im Sommer 2014 eröffnet. Das nennt man wohl dramaturgische Freiheit, hat aber mit gewissenhaftem Arbeiten nur wenig zu tun. Neben einem Streifenpolizisten begleitet der neue Beitrag einen Straßendealer, einen Spiel- und Drogensüchtigen und von Gewalttaten betroffene Anwohner.

Insgesamt ist der neue Bericht nicht so reißerisch aufgezogen wie sein berüchtigter Vorgänger aus dem Jahr 2013. Damals setzte die Reportage auf die Titelmusik aus der Horrorserie „The Walking Dead“ sowie auf Aufnahmen nach Sonnenuntergang, womit auf sehr subtile Art mit den Ängsten der Zuschauer gespielt wurde. Die 2015er Auflage der „schlimmsten Straße Deutschland“ ist mit Bildern im Sonnenschein und entspannterer Vertonung weniger sensationsgeil produziert, ernährt sich aber vom Ruf der Vorgänger-Reportage.

Generell ist die Berichterstattung von „taff“ über die Eisenbahnstraße weiterhin einseitig, denn es werden letztendlich nur Schlagzeilen über Verbrechen vor Ort sowie Statistiken zur Kriminalität in Leipzig zitiert und mit O-Tönen unterlegt. Wie ein Polizeisprecher erst im Mai diesen Jahres gegenüber dem MDR sagte, sei die Kriminalitätsrate im Stadtteil der Eisenbahnstraße statistisch gesehen nicht höher, als in anderen Teilen der Stadt. Besonderes Augenmerk liege allerdings auf dem Drogenhandel, der in der Eisenbahnstraße besonders floriere, so die Polizei.

Ein Boulevardmagazin wie „taff“ verlangt per Definition natürlich grundsätzlich nach Blut, Brüsten oder Babys – aber etwas Tiefe wäre nach den Reaktionen auf den ersten Beitrag nur fair gewesen. Denn die Eisenbahnstraße erfreut sich bei immer mehr jungen Familien, Studenten und Künstlern großer Beliebtheit, was sich im Zuzug und in der Eröffnung neuer Geschäfte und Lokale ausdrückt. Damit liefert „taff“ lediglich einen weiteren einseitigen Bericht über ein Leipziger Viertel, das sich derzeit im Wandel befindet.

Seriöser hat sich der MDR dem Thema Eisenbahnstraße bereits im April dieses Jahres gewidmet, was im Videobeitrag oben zu sehen ist. Hier wird nicht nur objektiv auf die Drogenproblematik eingegangen, sondern auch aktuelle Entwicklungen wie Zuzug, die neue Kulturszene und Mieterhöhungen werden in den Bericht einbezogen. Einen visuellen Einblick in die kulturelle Vielfalt an der Eisenbahnstraße gibt auch das Video von Info TV Leipzig (unten). Bei den Kollegen von Raputation.de gibt es außerdem ein schönes Stück zur Geschichte der Eisenbahnstraße.

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