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Endlich da: Mase ist der „Spliffmeister“ (Review)

Wer das Schaffen der Funkverteidiger in den letzten Jahren verfolgt hat, kennt sie. Die durchdringende, reibeiserne Stimme. Die selbsternannte „lyrische Kettensäge“. Die chiffrierten Textzeilen. Es ist Mase.

Das erste Soloalbum von Mase ist da. „Spliffmeister“ ist der Titel des Lonplayers, der heute (11. September) über das neue Label Muther Manufaktur erscheint. Drei Jahre lang hat Mase mit dem frisch gebackenen Labelchef Pierre Sonality an seinem 18 Anspielpunkte starkem Solodebüt gearbeitet, das Fans des Funkverteidiger-Kollektivs, dem die beiden MCs angehören, immer wieder gefordert hatten. Nun ist es da.

Mase tut, was ein Mase tun muss

„Spliffmeister“ ist das Gegenteil von weichgespültem und massentauglichem Rap. „Spliffmeister“ bietet kantige Raps und verschachtelte Texte. Dazu Boom-Bap-Beats zwischen funky, soulig und grotesken Klängen. Der Einstieg gelingt seicht mit einem kurzen Instrumental-Intro. Direkt danach folgt einer dieser exemplarischen Mase-Momente: Es wird nicht lang gefackelt, sondern kompromisslos mit komplexen sprachlichen Bildern ein Statement gesetzt. Gegen den allgegenwärtigen Fake in Rap und Gesellschaft. Großes Theater gegen das große Theater.

Deutschraps Enigma

Was folgt, ist direkt einer der ersten Ohrwürmer der Platte. In Sachen Refrains hat Mase auf „Spliffmeister“ einiges zu bieten. „Schallplattencover“ verweilt beim klassischen Battle-Thema des vorangehenden Tracks, bleibt aber aufgrund der eingängigen Hook sofort als erstes Highlight der Platte im Gehör. Direkt im Anschluss schlägt der Titeltrack „Spliffmeister“ etwas ruhigere Töne an: Das Stück mit Hook im Stil einer Hymne referiert über den Lifestyle als grasliebender HipHop-Head, der sich – fernab vom kommerziellen Bling-Bling-Klischee seiner Kultur im Mainstream – lieber den wichtigen Dingen im Leben widmet. Die Aussage „Für mich bedeutet Rap, für seine Freunde etwas Zeit zu haben“ ist wohl eine der persönlichsten Einblicke, die Mase auf seinem Solodebüt gibt.

Gleichzeitig erklärt der Leipziger Mase mit dieser Aussage auch seinen ideologischen Anspruch an die eigene Musik. Es schreibt nicht für Fame, Bitches oder Koks. Er schreibt für seinen Freundeskreis und für Liebhaber seiner Art von Musik. Der Funk wird mit Crew-Representern verteidigt, der Spliff wird verehrt und auf vergangene Tage zurückgeblickt. Oftmals wird die wahre Aussage der Texte erst beim Entschlüsseln der Bilder und Textbausteine deutlich, die auf den ersten Eindruck für unerfahrene Hörer des Mase-Stils willkürlich aneinandergereiht wirken können. Leidenschaftliche Linguisten werden an Tracks wie „Stichfest“, „Giftiges Verlangen“ oder „Rooiboshecke“ ihre wahre Freude haben, während durchschnittliche Deutschlehrer sich hier die Zähne ausbeißen dürften.

Ab aufs Tanzparkett

Die organischen-warmen Beats auf „Spliffmeister“ von Produzent Pierre Sonality sind von gewohnt hoher Qualität und dienen als Gegengewicht für die helle Stimme von Mase. Jenes Zusammenspiel sorgt wiederum dafür, dass den Raps von Mase generell ein Anflug von Melancholie beiwohnt. Das mag jedoch im Auge des Betrachters liegen. Wie bereits erwähnt, ist das Solodebüt von Mase kein massentaugliches Album. Wer sich nicht auf die Rapstimme des Leipziger MCs einlassen kann, hat von Vornherein verloren. Aber auch den geneigten Hörer kann die prägnante Stimme von Mase auf Albumlänge anstrengen. Wer dem Album mit Offenheit begegnet, wird dafür belohnt. Und die LP hält auch ein probates Mittel für Abwechslung bereit: Features.

Während die erste Hälfte des Albums „Spliffmeister“ ausschließlich mit Mase auskommt, bereichern in der zweiten Hälfte zahlreiche Gastbeiträge die Platte. Den Anfang macht der Leipziger Funkverteidiger-Kollege Maulheld, der gemeinsam mit Pierre Sonality auf „2014-26-07“ vertreten ist – dem wohl ruhigsten Titel des Albums. Die Dudes, Sonne Ra, Doz9 und MC Nan-D sind weitere Gäste auf dem Album, genauso wie Hiob, der auf dem Track „Tanzparkett“ eine seiner großartigen Hooks zum Besten gibt.

Weitere hervorzuhebende Refrains des Longplayers sind (neben den schon oben erwähnten „Spliffmeister“ und „Schallplattencover“) auf den Tracks „Rooiboshecke“ und „Dachpappenflechte“ zu finden. Pierre Sonality, der insgesamt vier Mal als Featuregast geführt wird, legt mit der Hook zu „Big Jazz Band“ außerdem einen überaus gelungenen Abschluss für das Album hin.

Spiel nochmal den Song, funky Drummer…

„Spliffmeister“ ist das starke Solodebüt eines MCs, dessen Stil von einer ausgefallenen Stimme und hochkomplexen Texten definiert wird. Mit den Worten „Abstrakte Hieroglyphen, nicht Massenkompatibel“ beschreibt Mase seinen Stil im weitesten Sinne selbst. Doch wer die Attitüde der Funkverteidiger kennt, der weiß, dass Massenkompatibilität sowieso nie deren Ziel war oder sein wird. „Spliffmeister“ ist ein Album für Liebhaber mit hohem Wiederhörwert. Und übrigens nicht nur ein gelungenes Debüt für Mase, sondern auch ein gelungenes erstes Release für das Label Muther Manufaktur.

 

Spliffmeister

Cover & Tracklist - "Spliffmeister"

Mase - Spliffmeister (Cover)
Bild: Mase/Muther Manufaktur


Tracklist

  1. Intro
  2. Stichfest
  3. Schallplattencover
  4. Der Spliffmeister
  5. Nachtlicht
  6. Giftiges Verlangen
  7. Für Einen Moment
  8. Interlude
  9. Rooiboshecke
  10. 2014-26-07 (feat. Maulheld & Pierre Sonality)
  11. Heckmeck Joe
  12. Tanzparkett (feat. Hiob)
  13. Die Schwarze Hand
  14. Plauderquelle
  15. Mahatma Ganja (feat. die Dudes & Pierre Sonality)
  16. Dachpappenflechte (feat. Sonne Ra)
  17. Bärlauchfahne (feat. Pierre Sonality, Doz9 & MC Nan-D)
  18. Big Jazz Band (feat. Pierre Sonality)



Das Album „Spliffmeister“ von Mase ist seit dem 11.9.2015 bei HHV (Vinyl, CD, Tape), Amazon (CD, digital), iTunes (digital) und Spotify (Stream) erhältlich.

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